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    Die 10 besten Zitate von Börsenaltmeister André Kostolany erläutert

    André Kostolany schnupperte bereits Ende der 1920er-Jahre Börsenluft. Mit seinen Büchern, Kolumnen und Fernsehauftritten gab der gebürtige Ungar bis zu seinem Tod im Herbst 1999 seine Erfahrungen aus mehr als 70 Jahren Börsenerfahrung weiter. Ich habe mir die zehn besten Zitate von André Kostolany herausgepickt und zeige Euch, was wir als Privatanleger daraus lernen können.

    Zitat #1: „Geld ist der Sauerstoff der Börse.“

    Zu Beginn eines der weniger bekannten Kostolany-Zitate, aber eines, das dafür umso besser auf die aktuelle Situation passt. Nach dem Corona-Crash haben die Notenbanken, vor allem die US-Notenbank Fed, massiv Geld in den Markt geschleust, indem sie zum Beispiel Staatsanleihen und Hypothekenanleihen gekauft haben. Gleichzeitig hat die US-Regierung Stimulus-Schecks an die Bevölkerung verteilt. Das alles war Sauerstoff für die Börse, hat die Kurse aufblühen lassen. Aber eben auch die Inflation. Die starken Preissteigerungen haben die Fed nun zur Kehrtwende veranlasst: Der Leitzins wird erhöht, die Anleihekäufe sind gestoppt und Monat für Monat werden Anleihen ersatzlos auslaufen gelassen. Dem Markt wird Geld entzogen, fallende Aktienkurse sind die Folge.

    Zitat #2: „Wenn alle Spieler auf eine angeblich todsichere Sache spekulieren, geht es fast immer schief.“

    Das ist eines der wichtigsten Zitate von André Kostolany und gilt in Zeiten von Social Media umso mehr. Denkt mal an Wirecard zurück – wer hat die alles empfohlen? Oder die Aktien des chinesischen Tech-Herstellers Xiaomi Anfang 2021. Damals gab es in der Facebook-Gruppe teilweise 3 – 4 Beitragsanfragen pro Tag zu Xiaomi. In Umfragen, welche Werte näher betrachtet werden sollten, landete der Wert regelmäßig auf Platz 1. Für viele war es sogar einer der ersten Aktienkäufe. Heute steht der Kurs fast 60 Prozent niedriger.

    Wann immer eine Meinung oder Einschätzung eine gewisse Breite, eine Allgemeingültigkeit angenommen hat, spricht das dafür, dass selbst die letzten Anleger, welche die Unternehmen nur sehr oberflächlich anschauen, bereits investiert sind. Aber Kurse können nur steigen, wenn mehr Anleger bereit sind, die Aktie zu kaufen als zu verkaufen. Sind bereits aber schon nahezu alle investiert, kippt die Situation oft. Klar gibt es weltweit mehrere Milliarden Menschen, die noch kaufen können, aber das Sentiment zeigt oft sehr gut, wo man die Finger davon lassen sollte.

    Eine zweite Betrachtungsweise zu diesem Zitat ist: Wenn alle Fakten positiv sind, wenn man sich in der perfektesten aller Welten befindend, dann kommen oft Aussagen, dass etwas eine todsichere Sache ist. Und dann reicht oft ein neuer, negativer Aspekt und die Kurse beginnen zu fallen.

    Zitat #3: „Es gibt alte Piloten und es gibt kühne Piloten, aber es gibt keine alten, kühnen Piloten.“

    Ein wunderbares Zitat von André Kostolany, das ein Bild aus der Fliegerei verwendet. In jungen Jahren experimentieren viele Anleger an der Börse noch, gehen größere Risiken ein. Aber solche Risiken führen auch dazu, dass Anleger Bruchlandungen erleiden, daraus lernen und vorsichtiger werden. Mit zunehmender Erfahrung agieren sie vorsichtiger, diversifizieren mehr und legen insgesamt risikoärmer an – oder sie haben nichts gelernt und wenden sich nach Bruchlandungen vom Aktienmarkt ab.

    Zitat #4: „Der Börsenkurs verhält sich zur Wirtschaft wie der Hund zum Spaziergänger. Er läuft voraus und kommt aber immer wieder zurück.“

    Es gibt immer wieder Phasen an den Aktienmärkten, in denen die Kurse der wirtschaftlichen Entwicklung deutlich voraus laufen. Es gibt aber auch Zeiten, in denen die Kurse stagnieren oder fallen, während sich die Wirtschaft dennoch vorwärts entwickelt. Diese Zitat ist vor allem für langfristig orientierte Anleger sehr wertvoll: Sie sollten darauf vertrauen, dass der Spaziergänger seinen Weg geht, sprich die Wirtschaft wird weiter wachsen, mal etwas schneller, mal etwas langsamer, aber sie geht ihren Weg. Der Hund springt mal nach vorne, wenn er was Interessantes sieht, oder bleibt eine Weile stehen und fällt etwas zurück, wenn er in der Natur etwas beschnuppert. Aber irgendwann wird auch das uninteressant und er kommt wieder auf Höhe des Herrchens. Deshalb ist es lohnenswert, den Weg des Herrchens zu kennen, sprich die Entwicklung der Unternehmen anzuschauen!

    Zitat #5: „An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muss nur die Nerven haben, das minus 1 auszuhalten.“

    Ein wichtiges Zitat von André Kostolany für die aktuelle Marktphase: Kurse gehen nicht linear nach oben. Wenn Aktien langfristig acht Prozent pro Jahr machen, dann bedeutet das eben nicht, dass sie jedes Jahr acht Prozent machen. Es wird Jahre geben, in denen die Börse richtig gut läuft, so wie 2021, und es wird eben Phasen wie aktuell geben, in denen die Kurse fallen und in denen am Jahresende vielleicht auch ein Minus bei den breiten Indizes zu Buche steht. Aber wenn wir in 20 Jahren die durchschnittliche Performance pro Jahr anschauen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir die sechs bis acht Prozent pro Jahr wieder finden. Die Kunst ist es, das „minus 1“, also die aktuelle Korrektur oder Baisse, auszuhalten und nicht entnervt das Handtuch zu werfen.

    Zitat #6: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“

    Auch bei diesem Zitat des Börsenaltmeisters geht es um den langfristigen Anlagehorizont und die Ruhe beim Investieren. Wichtig dabei: André Kostolany hat diesen Ratschlag dahingehend ergänzt, dass man eine „Palette internationaler Papiere“ und zwar „Blue Chips“, also Standardwerte für dieses Vorgehen kaufen sollte. Also wer eine gut diversifizierte Anzahl von soliden Werten aus verschiedenen Ländern und Branchen in sein Depot packt, dann 20 Jahre nicht hinschaut, der wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit danach vermögend sein. Heute lässt sich das diversifizieren Dank ETFs sehr einfach lösen. Mit Hilfe eines Indexfonds auf den FTSE All World investiert der Anleger beispielsweise über ein einziges Papier weltweit in mehr als 3.900 Unternehmen. Wichtig auch hier: Nicht von den täglichen Schwankungen verrückt machen lassen. Den Plan stur durchziehen.

    Zitat #7: „Verwenden Sie auf den Aktienkauf ebenso viel Zeit wie auf den Kauf eines Gebrauchtwagens.“

    Eines der größten Probleme vieler (Neu)-Investoren: Sie lesen etwas über eine Aktie, sehen ein Video dazu, und zack ist das Papier im Depot. Das geht in den wenigsten Fällen gut. Wer sich gründlich mit Firmen beschäftigt, das Geschäftsmodell der Firma und die Zahlen in der Bilanz versteht, der wird bei Kursrückgängen wie wir sie aktuell sehen, weniger leicht nervös, denn er weiß, was er weiterhin hat: Anteile an soliden und Cash generierenden Firmen. Die intensive Beschäftigung mit einer Firma schafft Vertrauen in das eigene Handeln. Es erhöht die Wahrscheinlichkeit in Baisse-Phasen durchzuhalten und reduziert die Gefahr, überteuerte Luftnummern zu kaufen.

    Zitat #8: „Einer Straßenbahn und einer Aktie darf man nie nachlaufen. Nur Geduld: Die nächste kommt bestimmt.“

    Wer kennt die Situation nicht: Man hat ein attraktives Unternehmen ausfindig gemacht, schaut sich die Aktie an und möchte beim nächsten Rücksetzer kaufen. Und was macht die Aktie: Sie steigt, und steigt. Man schaut eine Weile zu, aber sie will einfach nicht fallen. Irgendwann ist die Geduld am Ende und man entschließt sich, jetzt zu kaufen. Und die Aktie hat dann nichts besseres zu tun, als von da an zu fallen. Es ist einfach gesagt, aber oft eine Herausforderung: Es ist besser, sich von den steigenden Kursen nicht verrückt machen zu lassen, und die Aktie ziehen zu lassen. Es kommen wieder neue Gelegenheiten.

    Zitat #9: „Wenn die Börsenspekulation so leicht wäre, gäbe es keine Bergarbeiter, Holzfäller und andere Schwerarbeiter. Jeder wäre Spekulant.“

    André Kostolany spricht in diesem Zitat die Spekulation, heute würde man vielleicht auch Trading dazu sagen, an, nicht das langfristige, breit gestreute investieren. Das ist, wie im Zitat mit den Schlaftabletten gezeigt, kein Hexenwerk. Ganz anders bei der Spekulation, also dem gezielten Ausnutzen von Marktbewegungen. Das Ganze braucht Erfahrung und viel Zeit und Aufwand. Und selbst dann ist nicht jeder automatisch erfolgreich. Und genau das sollte man sich immer vor Augen halten, wenn wieder – wo auch immer – mit markigen Sprüchen erzählt wird, wie leicht man mit Trading reich werden kann.

    Zitat #10: „Der Tag, an dem der sonst hartnäckige Optimist zum Pessimisten wird, ist höchstwahrscheinlich der Wendepunkt in der Kurstendenz. Und natürlich auch umgekehrt. Wenn der eingefleischte Pessimist zum Optimisten wird, muss man so schnell wie möglich aus der Börse aussteigen.“

    Dieses Zitat dürfte in den kommenden Wochen und Monaten beim Versuch, ein Ende der Baisse zu erahnen, sehr hilfreich sein. Nicht selten kippen Marktteilnehmer, die sehr lange eine sehr ausgeprägte Meinung haben, anschließend in der Nähe eines Wendepunktes. Der Druck, den der gegen sie laufende Markt auf sie ausübt, wird irgendwann zu groß und sie kapitulieren. Gerade wenn sich Marktteilnehmer öffentlich extrem positionieren, Anleger dann Kritik und Zweifel an deren Aussagen haben, wird der Druck immer größer. In der aktuellen Baisse könnte ein Wendepunkt durchaus sein, wenn Cathie Wood oder Frank Thelen ihre Fonds schließen.

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