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    Buchbesprechung: Kopf schlägt Kapital, Wir sind das Kapital, David gegen Goliath von Günter Faltin

    Heute möchte ich Euch drei Bücher von Prof. Dr. Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship an der FU Berlin, vorstellen. Beginnen möchte ich jedoch mit zwei kurzen Erklärungen, warum ich diese eher an Unternehmer gerichteten Bücher auch und gerade für Investoren in der jetzigen Situation als sehr lesenswert erachte.

    https://youtu.be/aAha6i3uEhk

    Ähnlich wie die Finanzkrise 2008/09 wird auch die Corona-Krise einen Prozess der kreativen Zerstörung auslösen. Das bedeutet, viele bisher als sicher geglaubten Trends werden brechen und neue Ideen und Konzepte werden sich einen Weg bahnen. Blicken wir mal zurück auf die Zeit der Finanzkrise. Das iPhone wurde 2007, das iPad 2009 auf den Markt gebracht, Bitcoin und damit die Blockchain-Technologie und Krypto-Währungen gab es erstmals Anfang 2009, die verschiedenen Social Media Plattformen wie Facebook, Twitter, WhatsApp setzten in dieser Zeit zu ihrem Siegeszug an, P2P-Kredite gab es schon etwas länger, aber erst die Niedrigzinsphase nach der Finanzkrise und die Probleme der Banken öffneten sie einer breiten Anlegerschaft. Und in Deutschland begann mit der Finanzkrise ein lange nicht für möglich gehaltener Immobilienboom. Ich erwarte auch jetzt wieder große Umbrüche.

    Der zweite Grund, warum ich die drei Bücher für Aktien- und ETF-Anleger interessant halte, liegt in einem Glaubenssatz, den ich vor allem bei vielen neuen Diskussionsteilnehmern im Investmentbereich beobachte. Viele Anleger sagen, mit Sparraten von 50, 100 oder 200 Euro im Monat wird es nie gelingen finanziell frei zu werden oder ein kleines Vermögen aufzubauen. Nachfolgend ein Beispiel: Ein Anleger hat 10.000 Euro Startkapital, legt monatlich 200 Euro an und hat das Ziel in 20 Jahren Millionär zu sein. Das Geld soll über einen ETF- oder Aktiensparplan angelegt werden.

    Ganz pfiffige Diskussionsteilnehmer geben die Daten schnell in einen Sparplanrechner ein und kommen zu dem Schluss, dass der Anleger im Durchschnitt rund 19,2 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaften muss. Das ist eine Performance, die selbst Warren Buffett nur sehr schwer über einen längeren Zeitraum erreicht hat. Bei einer angenommenen und realistischen Rendite von sieben Prozent pro Jahr ergibt sich nach 20 Jahren ein Betrag von rund 145.000 Euro. Einige verwerfen daher ganz schnell jeglichen Gedanken an Sparpläne, beginnen zu Zocken (um die hohe Rendite zu erreichen) oder konsumieren lieber die 200 Euro Monat für Monat. Dabei übersehen die Kritiker aber einen ganz entscheidenden Punkt: Die Psychologie! In dem Moment, in dem der IST-Zustand und das Ziel definiert sind und monatlich eingezahlt wird, vermehrt sich das Vermögen und es kommen durch die Ausschüttungen regelmäßig extern Gelder (die in der Zinseszinrechnung schon berücksichtigt sind) hinzu. Aber all das motiviert viele Anleger. Wenn Sie sehen, dass ihre, ich nenne es mal Blackbox oder „Maschine“ funktioniert, wächst der Wunsch und der Wille, mehr in diese Maschine reinzubuttern. Und genau hier helfen die Bücher von Prof. Dr. Günter Faltin. Sie bieten Anregungen, wie man auch ohne großen Kapitaleinsatz unternehmerisch aktiv werden kann.

    Prof. Dr. Günter Faltin, lehrte Entrepreneurship an der FU Berlin. Anders als die klassische Betriebswirtschaftslehre, die sich auf Buchhaltung, Controlling, Marketing, Personal, Steuern oder Finanzierung versteift, fokussiert Entrepreneurship auf die Entwicklung von Geschäftsideen und den Aufbau und die Optimierung von Geschäftsprozessen. Das erste Buch, Kopf schlägt Kapital *, habe ich vor rund fünf Jahren als Hörbuch bei Audible gehört. Nachdem Prof. Faltin seinen Studenten jahrelang erklärt hatte, wie man mit Hilfe von Komponenten Unternehmen gründet und wie man Geschäftsprozesse optimiert, rief er 1985 selbst die Projektwerkstatt GmbH ins Leben. Im Rahmen der Arbeit der Projektwerkstatt entstand dann die Teekampagne. Faltin hatte sich gefragt, warum der Tee in Deutschland so viel teurer als in anderen Ländern ist. Er fand heraus, dass es in Deutschland besonders viele Zwischenhandelsstufen gibt, die alle mitverdienen wollen. Daher überlegte er sich, wie man diese umgehen könnte, und er beschloss mit einigen Freunden und Bekannten zusammen Tee direkt in Indien einzukaufen. Während der Teehandel viele Sorten anbietet, entschied sich Faltin nur auf eine, auf die Beste zu beziehen, den Darjeeling First Flush (Erste Pflückung). Indem er seine Mitstreiter motivierte gleich einen ganzen Jahresvorrat einzukaufen, umging Faltin auch das Problem der Verteurung durch kleine Packungsgrößen. Hieraus entstand der Name Teekampagne. Die Teekampagne dient durch das komplette Buch als Praxisbeispiel für seine Methoden des Entrepreneurship. Seit ich das Buch gelesen habe, bestellen meine Frau und ich unseren Tee bei der Teekampagne und ich muss sagen, Qualität und Preis sind Spitze und auch die Plantagenbetreiber bekommen einen ordentlichen Anteil an den Erlösen.

    Das zweite Buch, Wir sind das Kapital *, erschien 2015. Der Fokus in diesem Buch liegt auf den Methoden des Entrepreneural Designs. Der Autor zeigt auf, wie man ein überzeugendes Unternehmenskonzept entwickeln kann. Auf Seite 123 befindet sich die nachfolgende Grafik, die diesen Prozess sehr schön dokumentiert:

    Quelle: Wir sind das Kapital, Seite 123

    Um ein Geschäftskonzept zu finden, das den Unternehmer glücklich und zufrieden macht, und das auch am Markt funktioniert, ist ein Prozess notwendig, der von beiden Seiten ausgeht: Zum einen muss das Produkt und Geschäftsmodell stimmig zur Person sein und zum ökologischen, sozialen und ökonomischen Denken des Gründers passen. Für das Produkt muss am Ende aber auch ein Markt da sein. Faltin ermuntert Gründer, diesen Prozess immer und immer wieder zu durchlaufen und so an ihrem Geschäftssystem zu feilen, bis alles rund ist. Dann sind die Chancen hoch, selbst mit dem Unternehmen glücklich und zufrieden und gleichzeitig am Markt erfolgreich zu sein.

    Das dritte Buch von Prof. Faltin, das ich heute vorstellen möchte, erschien erst 2019: David gegen Goliath *. Es ist eine erweiterte und aktualisierte Neuausgabe von Wir sind das Kapital, aber diesmal legt Faltin den Fokus noch deutlicher auf den ökologischen Aspekt und er zeigt, dass im Rahmen der Freundschaftsökonomie man auch ohne Gründung eines Unternehmens am „Wir können Ökonomie besser“ mitwirken kann. Er zeigt auf, was gerade in der Wirtschaft falsch läuft und wie die Marketingausgaben, er nennt es den Marketing-Rucksack, Produkte unnötig teuer machen. Das ist die Chance für Entrepreneure und Startups (David) gegenüber den Großkonzernen (Goliath).

    Ich habe alle drei Bücher mit sehr viel Vergnügen gelesen und einige Inspirationen dadurch erhalten. Wenn Ihr Lust darauf habt, Euch selbständig zu machen sind die drei Bücher eine Pflichtlektüre.

    TitelKopf schlägt Kapital *Wir sind das Kapital *David schlägt Goliath *
    AutorenGünter FaltinGünter FaltinGünter Faltin
    Verlagdtv Verlagsges.Murmann VerlagHaufe
    ISBN978-3423349130978-3867744195978-3648125649
    Zielgruppe: Potentielle GründerPotentielle GründerPotentielle Gründer
    Erscheinungsjahr2017 (10. Auflage)2015 (2. Auflage)2019 (1. Auflage)
    Seitenzahl288 Seiten288 Seiten264 Seiten
    Preis9,99 € (K/B)4,99 € / 21,99 € (K/B)14,99 € / 16,95 € (K/B)

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