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    Dax, Dow, MSCI World & Co. – die wichtigsten Aktienindizes der Welt und ihre Geheimnisse!

    Wenn in den Medien von der Kursentwicklung an den Börsen die Rede ist, dann geht das fast nicht ohne DAX und Dow Jones. Die beiden Indizes sind nahezu jedem geläufig. Doch was verbirgt sich dahinter und warum wird Tesla der Eintritt in den elitären Club amerikanischer Aktien immer noch verwehrt – Antworten findet Ihr in diesem Artikel.

    Neun von zehn Deutschen wissen, was der DAX ist! Aber dann hört bei den meisten auch schon das Wissen um den Deutschen Aktien-Index auf. Das möchte ich heute ändern. Der DAX spiegelt die Kursentwicklung der 30 nach Marktkapitalisierung (Börsenwert) und Liquidität (Börsenumsatz) größten deutschen Unternehmen wider. Wichtig dabei: Für die Berechnung wird nicht die gesamte Marktkapitalisierung hergenommen, sondern nur der Streubesitz. Bei Firmen wie beispielsweise BMW oder Volkswagen, die mit Stefan Quandt und Susanne Klatten beziehungsweise mit dem Land Niedersachsen, Großaktionäre haben, geht nur der tatsächlich an der Börse auch gehandelte Anteil des Unternehmens in die Berechnung mit ein.

    Startpunkt für den DAX war der 30. Dezember 1987. An diesem Tag wurde der Startwert mit 1.000 Punkten festgelegt. Nachdem der Index bis zum heutigen Tage auf rund 10.600 Punkte geklettert ist, bedeutet das ein Plus von rund 960 Prozent in rund 32 Jahren. Der Wert aller 30 im DAX enthaltenen Firmen beträgt zusammen rund 820 Milliarden Euro. Das, was sich auf den ersten Blick viel anhört, ist im internationalen Vergleich winzig: Unternehmen wie Amazon (1.100 Milliarden Euro), Microsoft (1.350 Milliarden Euro) oder Apple (1.150 Milliarden Euro) bringen alle jeweils alleine mehr Wert auf die Waage als die gesamte deutschen Wirtschaftselite mit Größten wie Allianz, BASF, Daimler, Münchener Rück, Siemens und SAP.

    Der DAX, so wie er in den Medien verwendet wird, wird als Performance-Index errechnet. Das bedeutet, dass Dividendenzahlungen und Bezugsrechtserlöse mit in die Indexberechnung einfließen. Es wird so getan, als würden diese Erträge im Moment des Zuflusses reinvestiert. Allerdings wird vom DAX auch eine Variante als Kursindex berechnet, bei der nur die reinen Kursveränderungen betrachtet werden. An einem Vergleich beider Indizes über die vergangenen 20 Jahre lässt sich sehr schön sehen, was langfristig die Ausschüttungen ausmachen: Während der Kursindex des DAX – gestartet auf dem Hoch der New Economy-Blase im April 2000 – noch 18 Prozent unter seinem damaligen Stand liegt, verbucht der DAX ein Plus von rund 45 Prozent.

    Der DAX-Performanceindex schlägt den Kursindex um Längen!

    Wesentlich besser als der DAX hat sich in den vergangenen 20 Jahren der MDAX entwickelt. Dieser Index spiegelt die Entwicklung der Midcaps, also der mittelgroßen deutschen Unternehmen wider. Aktuell umfasst er die 60 deutschen Unternehmen, die nach Marktkapitalisierung, hier wird wieder nur der Streubesitz betrachtet, und Börsenumsätzen auf die 30 DAX-Werte folgen. Der Grund für die Underperformance des DAX ist in dessen Zusammensetzung zu suchen: Der Leitindex enthielt und enthält Finanztitel sowie Aktien zyklischer Firmen wie etwa der Automobilhersteller, Lufthansa oder BASF. In der zweiten Reihe sind dagegen viel mehr Softwarefirmen, deren Kurse in den letzten Jahren sehr gut liefen, enthalten.

    Sowohl nach dem New-Economy-Crash, als auch nach der Finanzkrise 2008 haben sich die Werte der zweite Reihe richtig gut entwickelt.

    Ein dritter Index in der DAX-Familie ist der Small-Cap-Index SDAX, der die „kleinen“ Unternehmen umfasst. Der SDAX enthält die 70 Firmen, die nach Börsenwert und Börsenumsatz auf die Titel des MDAX folgen. Auch sein Startwert wurde am 30. Dezember 1987 mit 1.000 Punkten fixiert. Für alle drei Indizes gilt: Die Zusammensetzung wird regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst.

    Sowohl nach dem New-Economy-Crash, als auch nach der Finanzkrise 2008 haben sich die Werte der dritten Reihe richtig gut entwickelt.

    Wie der DAX, so besteht auch sein großer amerikanischer Bruder, der Dow Jones, aus 30 Titeln. Der Dow Jones Industrial Average, wie sein vollständiger Name heißt, war nach dem Dow Jones Transportation Index, der erste Aktienindex der Welt. Der Dow wurde erstmals 1896 errechnet (und dann bis 1885 zurück gerechnet). Sein Name geht auf Charles Dow und Edward Jones, die beiden Gründer des Wall Street Journals und die Gründer von Dow Jones & Company zurück. Bis zum 25. Juni 2018 war General Electric die einzige der Gründungsfirmen, die noch im Index enthalten war.

    Im Vergleich zum DAX gibt es allerdings zwei gravierende Unterschiede: Beim Dow Jones handelt es sich um einen preisgewichteten Index. Das bedeutet, dass jede Aktie mit ihrem Kurswert in die Indexberechnung eingeht. Eine Aktie, deren Kurs bei 200 US-Dollar steht, hat also mehr Gewicht, als eine Aktie, deren Kurs bei nur 50 US-Dollar steht. Zudem handelt es sich beim Dow Jones um einen Kursindex. Dividendenzahlungen und Erlöse aus Bezugsrechten fließen also nicht in die Berechnung mit ein. Umso bemerkenswerter ist daher die Tatsache, dass sich der Dow in den letzten 20 Jahren auch ohne Dividenden besser als der DAX entwickelt hat.

    Auch ohne Dividenden steht der Dow Jones heute mehr als doppelt so hoch wie zu Zeiten der New Economy.

    Bemerkenswert ist beim Dow Jones noch eine weitere Tatsache: Der Index enthält – anders als der DAX – nicht automatisch die Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert. Apple stieß beispielsweise erst im März 2015 zum Kreis der Auserwählten hinzu. Amazon, Facebook oder Netflix fehlen hingegen bis heute im Börsenbarometer. Das ist auch ein Grund, warum der Dow Jones in der als Basis für Investmentprodukte, so gut wie keine Rolle spielt. Er dient hauptsächlich als Botschafter in den Medien.

    Wer sich für die Entwicklung des breiteren amerikanischen Aktienmarktes interessiert, der kommt am S&P 500 Index nicht vorbei. Dieser von der Rating-Agentur Standard & Poors errechnete Index umfasst die 500 nach Marktkapitalisierung größten amerikanischen Firmen, mit einer Einschränkung: Um in den Index aufgenommen zu werden muss das Unternehmen schwarze Zahlen schreiben. Das bedeutet, dass sowohl für das letzte Quartal vor der Aufnahme, also auch in den zwölf Monaten davor ein Gewinn erzielt worden sein muss. Und genau das ist das Problem von Elon Musk: Tesla hat zwar hin und wieder mal ein Quartal mit Gewinn. Aber die beiden Voraussetzungen für einen Aufstieg in den S&P 500 hat Tesla noch nicht geschafft.

    Erstmals berechnet wurde der S&P 500, der in den Medien publizierte Index ist auch hier ein Kursindex, im Jahr 1957. Im Gegensatz deutlich bekannteren Dow Jones spiegelt der S&P 500 die Wirtschaftsentwicklung der Vereinigten Staaten viel genauer wider: Der Index deckt rund 75 Prozent der amerikanischen Börsenkapitalisierung ab!

    Entwicklung des MSCI World (Kursindex in USD), Quelle: www.comdirect.de

    Trotz der 500 im Index enthaltenen Wertpapiere erstreckt sich ein Investment in einen S&P 500-ETF aber immer noch nur auf die Vereinigten Staaten. Anleger, die International agieren, haben in der Vergangenheit daher oft auf den MSCI World zurückgegriffen. Dieser von Morgan Stanley errechnete Index spiegelt die Entwicklung in 23 Industrieländern wider. Insgesamt sind in ihm aktuell 1.643 Aktien enthalten. Dominierendes Land sind die USA! Ihr Anteil im Index beträgt rund 64 Prozent und damit fast zwei Drittel. Japan hat mit 8,5 Prozent noch einen etwas größeren Teil. Aber schon erschreckend, wenn man den Anteil der „Wirtschaftsmacht“ Deutschland sieht: Lediglich 2,7 Prozent der Marktkapitalisierung der im MSCI enthaltenen Firmen entfällt auf Gesellschaften aus Deutschland.

    Aufteilung MSCI World per 31.03.2020, Aufteilung nach Sektoren und Regionen. Quelle: iShares via www.justetf.com

    Die große Kritik am MSCI World besteht darin, dass lediglich Firmen aus 23 Industrienationen enthalten sind. Außen vor sind sämtliche Aktien aus Schwellenländern. Selbst China spielt in dem Index keine Rolle. Damit spiegelt der MSCI World längst nicht mehr die Realität in der Weltwirtschaft wider. Dies hat bereits in der Vergangenheit dazu geführt, dass Experten (Lesetipp: Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs *) empfohlen haben, 70 Prozent des Aktieninvestments in einen MSCI World ETF und 30 Prozent in den MSCI Emerging Markets zu investieren, um so die gesamte investierbare Welt abzudecken.

    Um diesen Umweg zu ersparen, kam der MSCI All World Countries Index (MSCI AWCI) auf. Er investiert in Aktien aus 23 Industrieländern und in Aktien aus 26 Schwellenländern. Bei einem Blick auf die Zusammensetzung des Indexes wird sofort deutlich: Die USA haben nun noch ein Gewicht von 55,6 Prozent. Der günstigste ETF auf diesen Index wird mit einer TER (Gesamtkostenquote) von 0,4 Prozent pro Jahr angeboten.

    Zusammensetzung des MSCI AWCI am Beispiel des ETFs von DWS Xtrackers, Stand 31.03.2020, abgerufen wie www.justetf.com

    Mission completed: Wir haben einen Index gefunden, über den es sich mit einem einzigen ETF in über 3.000 Unternehmen auf der ganzen Welt gleichzeitig investieren lässt. Kurzer Check mit den 6 Buchstaben des DECKEL-Konzepts:
    Diversifiziert: check!
    Eigenverantwortlich: check! Handeln musst Du selbst!
    Chancen-orientiert: check!
    Kostengünstig: 0,4 % p. a. – gut, aber da geht vielleicht noch was!
    Emotionslos: Das liegt an Dir! Aber ein Sparplan löst viel…
    Langfristig: check! Mit einem ETF easy machbar.

    Die Kosten sind im Vergleich zu einem normalen aktiv gemanagten Indexfonds in der Tat schon günstig. Aber im Vergleich zu vielen anderen ETFs, bei denen teils Kosten von 0,1 % p. a. oder weniger anfallen, immer noch recht hoch. Das ist natürlich auf der einen Seite der Preis für die hohe Diversifikation. Die Kosten haben aber auch noch eine andere Ursache: Jeder ETF-Anbieter muss eine Gebühr für die Nutzung des Indexes berappen. Und die war Vanguard *, einem der Pioniere der ETF-Szene, zu hoch. Vanguard hat eine Alternative gesucht und gefunden, den FTSE All World. Dieser Index deckt 95 Prozent der internationalen Marktkapitalisierung ab.

    Zusammensetzung des FTSE All World Index per 31.01.2020.

    Die USA sind in diesem Index mit nur noch 55,3 Prozent gewichtet. Auffällig ist, dass es bei den Branchen Unterschiede zum MSCI World gibt. Das Finanzwesen ist mit 20,9 Prozent beim FTSE die dominierende Branche, Technologie folgt erst auf Platz 2. Der Unterschied in der Performance zum MSCI World All Countries ist margial. Die Differenz auf ETF-Basis ist dafür umso deutlicher. Vanguard ermöglicht das Investment in der FTSE All World (ISIN IE00BK5BQT80) zu einer Gesamtkostenquote von 0,22 Prozent pro Jahr. Anlegerherz, was willst Du mehr!

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