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    Bester Welt-ETF: Vanguard ESG Global All Cap, MSCI ACWI oder FTSE All-World?

    Immer wieder stehen Anleger, die nur einen ETF besparen wollen, vor der Frage, welchen der beiden großen Weltindizes sie wählen: Den FTSE All-World oder besser den MSCI All Country World? Bis jetzt waren das die beiden großen globalen Indizes. Mit dem FTSE Global All Cap Choice Index gibt es jetzt einen weiteren investierbaren Weltindex. Ich zeige Euch heute, was der Unterschied zwischen den drei Indizes ist, und welcher der attraktivste ist.

    Diese Woche gab es eine Hammer-News für ETF-Fans. Vanguard bringt einen neuen ETF auf den Markt, dem ein Weltindex zu Grunde liegt, der nach ESG-Kriterien (berücksichtigt Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) zusammengestellt ist. Vom Index ausgeschlossen sind Firmen, die an den folgenden Aktivitäten beteiligt sind und/oder Umsatzerlöse (oberhalb eines vom Indexanbieter festgelegten Schwellenwerts) aus diesen Aktivitäten erwirtschaften: Umstrittene Handlungen, nicht erneuerbare Energien, moralisch fragwürdige Produkte und Waffen. Ich vergleiche den zu Grunde liegenden FTSE Global All Cap Choice Index mit den beiden Platzhirschen MSCI ACWI und FTSE All-World.

    Schauen wir uns zunächst einmal die Anzahl der enthaltenen Mitglieder sowie die Top 10-Werte im Index an:

    MSCI ACWIFTSE All-WorldFTSE Global All Cap Choice
    Anzahl Werte2.9643.9517.504
    Apple3,45 %3,25 %3,50 %
    Microsoft2,78 %2,89 %3,11 %
    Amazon.com2,19 %2,18 %2,35 %
    Facebook1,03 %1,03 %1,11 %
    Alphabet C1,02 %0,98 %1,06 %
    Alphabet A1,01 %1,01 %1,09 %
    Taiwan Semiconductor0,89 %0,87 %0,94 %
    Tesla0,84 %0,85 %0,91 %
    Tencent Holdings0,82 %0,81 %0,88 %
    Alibaba Group ADR0,75 %
    JPMorgan Chase0,74 %0,80 %
    Anteil Top 1014,76 %14,61 %15,75 %
    Stand: 26.02.2021, Quelle: MSCI bzw. FTSE Russell

    Man sieht hier sehr schön, dass die Unterschiede zwischen den beiden etablierten Weltindizes MSCI ACWI und FTSE All-World nur marginal sind, zum neuen FTSE Global All Cap Choise ist der Unterschied etwas größer. Das liegt vor allem daran, dass im Technologiebereich natürlich tendenziell mehr ESG-konforme Unternehmen zu finden sind als in anderen Sektoren. Also auch wenn der Index an sich mit 7.504 Werten deutlich mehr und auch deutlich kleinere Werte beinhaltet, so wird die Performance stärker als bei den anderen Indizes von den Top 10 bestimmt.

    Interessant ist auch ein Blick auf die regionale Gewichtung bei den einzelnen Indizes. Die Mehrheit der Anlegergelder wird bei allen drei Weltindizes, und das überrascht wenig, in US-Aktien angelegt:

    LandMSCI ACWIFTSE All-WorldFTSE Global All Cap Choice
    USA57,21 %55,83 %58,60 %
    Japan6,69 %7,33 %7,38 %
    China5,32 %5,27 %5,52 %
    Großbritannien3,79 %4,10 %3,13 %
    Frankreich2,94 %2,84 %1,72 %
    Deutschland2,54 %2,25 %
    Schweiz2,45 %2,14 %
    Kanada2,44 %2,65 %
    Australien2,12 %1,94 %
    Taiwan1,90 %2,34 %
    Südkorea1,78 %1,85 %
    Rest24,05 %11,40 %10,48 %
    Stand: 26.02.2021, Quelle: MSCI bzw. FTSE Russell

    Auffällig ist, dass die FTSE Global All Cap Choise, der die ESG-Kriterien berücksichtigt, die USA und überraschenderweise sogar China (!) stärker gewichtet sind. Die einzige Erklärung, die ich hier habe, sind die großen Tech-Player die in beiden Ländern stark im ESG-Index vertreten sind. Noch deutlicher zeigt sich dieses Bild, wenn man die beiden FTSE-Indizes (für den MSCI ACWI habe ich die Daten nicht gefunden) nicht nach dem Börsenwert, sondern nach Anzahl der Werte aus einzelnen Ländern betrachtet:

    FTSE All-WorldFTSE All-WorldFTSE Global All Cap ChoiceFTSE Global All Cap Choice
    USA58214,73 %149419,91 %
    Japan51312,98 %126516,86 %
    China100025,31 %124116,54 %
    Deutschland822,08 %1351,80 %
    Gesamt3.951100,00 %7.504100,00 %
    Stand: 26.02.2021, Quelle: MSCI bzw. FTSE Russell

    Beim Vergleich der großen Indizes nach Branchen wird es schwierig, da die Zuordnungen nach unterschiedlichen Kriterien erfolgen. Schwergewicht ist allerdings jeweils der Technologiesektor mit über 20 Prozent, gefolgt vom Finanzsektor, auch wenn der bei FTSE in Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister aufgeteilt ist. Einfacher ist da ein Vergleich zwischen den beiden FTSE-Indizes, und der zeigt das, was wir oben schon vermutet haben: Mit 25,03 % ist der Technologiesektor im FTSE Global All Cap Choice noch mal höher als im FTSE All-World (22,16 %) gewichtet.

    Ein Vergleich der Performance ist nicht ganz so einfach, da die Indizes meist nur als Kursindizes berechnet werden und keine Dividenden eingehen. In den Termsheets der Indexanbieter sind zwar Performance-Angaben gemacht, allerdings nach unterschiedlichen Methoden. Während MSCI die Indexperformance als Net Returns angibt, also angefallene Quellensteuern abzieht und nur die Nettodividenden berücksichtigt, berechnet FTSE die Indizes als Total Return Indizes.

    Ein Weg, die Performance zu vergleichen, ist der Umweg über thesaurierende ETFs. Nehmen wir hier mal den FTSE All-World von Vanguard, der Mitte 2019 als erster auf diesen Index aufgelegt wurde, und vergleichen ihn mit einem MSCI ACWI ETF, ebenfalls thesaurierend. Wir sehen, dass wir keinen Unterschied sehen. Also ob Ihr nun den einen oder den anderen ETF bespart, macht am Ende nicht wirklich einen Unterschied.

    Zwischen den beiden großen globalen Indizes (hier über thesaurierende ETFs verglichen) besteht nicht wirklich ein Unterschied.

    Nachdem zwischen dem FTSE All-World und dem MSCI ACWI also so gut wie kein Unterschied ist, hilft uns ein Vergleich der beiden FTSE-Indizes weiter.

    Wir sehen also, der FTSE Global All Cap Choice hat den auf Sicht der vergangenen fünf Jahre (und nur hierfür liegen Daten vor) um 11 Prozentpunkte geschlagen. Schaut man sich die einzelnen Jahre an, so sieht man, dass es 2016 für den FTSE Global All Cap Choice 1,3 Prozent Underperformance gab, und dass die Outperformance im Wesentlichen in den vergangenen beiden Jahren entstanden ist. Diese Information, kombiniert mit der Analyse der Schwergewichte, legt die Vermutung nahe, dass diese Überrendite also vor allem über die Stärke und Übergewichtung der FAANG-Werte sowie der asiatischen Techgiganten erreicht wurde.

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    Was ist nun für Anleger, die mit einem einzigen Produkt sehr breit gestreut die weltweiten Aktienmärkte abdecken wollen, die sinnvollste Anlagevariante? Für alle, denen ökologische und soziale Aspekte der Kapitalanlage wichtig sind, bietet der neue Vanguard ESG Global All Cap ETF eine ideale Möglichkeit zu investieren. Dabei sollte aber durchaus das Risiko bewusst sein, dass dort eine erhöhte Abhängigkeit von Techwerten besteht. Der ETF wird sowohl ausschüttend (ISIN IE00BNG8L385) als auch thesaurierend (ISIN IE00BNG8L278) angeboten und hat eine – in Anbetracht der Marktabdeckung – sehr günstige Gesamtkostenquote (TER) von 0,24 Prozent pro Jahr. Bei welchen Banken und Brokern der ETF als Sparplan verfügbar sein wird, das wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Aber ich gehe davon aus, dass es die ähnlichen sein werden, bei denen die Vanguard-ETFs bisher bereits verfügbar sind.

    Wer bei den großen Dickschiffen eher mit einer Underperformance in den kommenden Jahren rechnet, der fährt mit den beiden Klassikern gut. Wie wir im Performance-Chart gesehen haben, sind die Unterschiede zwischen den beiden Indizes marginal. Auf beide Indizes gibt es mit 0,20 und 0,22 Prozent p. a. TER günstige ETFs der Anbieter Vanguard und iShares. Welchen der beiden Indizes ihr dann letztendlich wählt, sollte davon abhängen, welcher bei Eurem Broker günstig verfügbar ist. Da es den MSCI ACWI nur als Thesaurierende Variante gibt, bietet der Vanguard eine gute Alternative, falls man einen ausschüttenden ETF möchte.

    IndexEmittentISINTERArtSparplan u. a. bei
    FTSE All-WorldVanguardIE00BK5BQT800,22 %ThesaurierendSmartbroker, Scalable, Flatex, comdirect, Consors, ING, Postbank (kostenfrei)
    FTSE All-WorldVanguardIE00B3RBWM250,22 %AusschüttendSmartbroker, Scalable, Flatex, comdirect, Consors, ING, Postbank (kostenfrei)
    MSCI ACWIiSharesIE00B6R522590,20 %ThesaurierendTrade Republic (kostenfrei), Scalable (kostenfrei), Smartbroker, Postbank, comdirect, Consors, Flatex, ING

    Wenn Ihr den nicht unwesentlichen Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs wissen wollt, dann empfehle ich Euch den Artikel über die Vorabpauschale – bei der sich auch 2021 wenig geändert hat. Die Frage, ob Ihr vorhandenes Geld sofort oder nach und nach in ETFs investieren sollt, habe ich ebenfalls in einem Artikel ausführlich behandelt.

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