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    Vermögensbildung durch kalkulierten Verzicht auf Versicherungen

    Viele Deutsche haben deutlich weniger Geld für Investments zur Verfügung, da sie jedes nur erdenkliche Risiko versichern. Ich zeige Euch heute, welche Versicherungen ich habe und wie ich damit richtig Geld für Investments frei mache.

    Wir Deutschen sind ein Volk von Angsthasen. Wir haben nicht nur Angst vor Risiken bei Investments, sondern auch viele andere Risiken des alltäglichen Lebens werden abgesichert. Steinschlag in der Windschutzscheibe – die Teilkasko regelt das. Neues iPhone fallen gelassen – ist ja versichert. Hochwasserversicherung im 23. Stock – aber klar doch. Und bei all den Versicherungsprämien bleibt vielen kein Geld mehr zum Investieren.

    Wie gehe ich nun vor und warum erachte ich das als sinnvoll? Mit ganz wenigen Ausnahmen versichere ich nur Risiken, bei deren Eintritt ich in meiner finanziellen Existenz gefährdet bin. Die wichtigsten Versicherungen, die in meinen Augen jeder braucht, sind die private Haftpflichtversicherung sowie die Kranken- und Pflegeversicherung. Die private Haftpflichtversicherung kostet für mich und meine Familie 58,02 € im Jahr. Wichtig: Als Studenten seid Ihr oft über Eure Eltern noch mitversichert – vergesst aber nicht, Euch selbst zu versichern, wenn Ihr aus der Mitversicherung herausfallt!

    Bereits ein Jahr nach meinem Einstieg ins Berufsleben habe ich mich privat krankenversichert. Allerdings habe ich – im Gegensatz zu vielen Kollegen damals – einen Tarif gewählt, der nur das notwendigste absichert. Später habe ich einmal intern den Tarif gewechselt und eine Selbstbeteiligung eingebaut, so dass ich heute mit meinen 44 Jahren gerade mal 425,27 € Kranken- und Pflegeversicherung im Monat zahle. Im Gegenzug habe ich aber auch keine Scheu, die ein oder andre Wahlleistung selbst zu bezahlen, wenn diese notwendig ist. Viele angestellte Kollegen haben seinerzeit hingegen einen großen Fehler begangen: Da der Arbeitgeber rund die Hälfte der Beiträge übernommen hat, haben sie luxuriöse Tarife mit Chefarztbehandlung, Einbettzimmer und so weiter gewählt. Infolge der Finanzkrise 2008/09 sind viele dieser Kollegen mehr oder minder freiwillig zu Freiberuflern geworden – und plötzlich mussten sie vierstellige Krankenversicherungsbeiträge schultern.

    Als Hausbesitzer kommt für uns noch die Gebäudeversicherung für unser Haus hinzu. Sie deckt Schäden durch Feuer, Wasser oder Sturm ab. Die Kosten sind mit jährlich 146,62 € überschaubar. Diese Versicherung hat aufgrund einiger kleiner Sturmschäden in der Vergangenheit schon ein paar mal bei mir zahlen müssen. Für unsere beiden Autos habe ich jeweils eine reine Kfz-Haftpflichtversicherung abgeschlossen, die uns zusammen 366,40 Euro im Jahr kosten! Auf Teil- und Vollkasko verzichte ich seit jeher – einzige Ausnahme waren einige Jahre, als wir ein Auto gemeinsam mit Nachbarn genutzt haben, da hatten wir das Auto Vollkasko versichert.

    Eine weitere Versicherung, die wichtig ist, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Für viele ist es jedoch nicht einfach, dort reinzukommen. Durch meine knapp drei Jahre als angestellter Finanzjournalist bin ich jedoch 1998 in die Presse-Versorgung gelangt. Hierbei handelt es sich um eine Kapital-Lebensversicherung mit Berufsunfähigkeitsversicherung. Monatlich zahle ich 301,17 Euro ein, wovon 61,23 Euro für die Absicherung der Berufsunfähigkeit draufgehen. Sollte der Versicherungsfall eintreten, erhalte ich pro Monat etwas mehr als 1.500 Euro Berufsunfähigkeitsrente. Das Kernproblem der Berufsunfähigkeitsversicherung ist, dass gerade für die Berufsgruppen, bei denen die Eintrittswahrscheinlichkeit hoch ist, wie etwa Maurer, Maler, Schlosser und so weiter, die Prämien extrem hoch sind. Das gleiche gilt, wenn Vorerkrankungen vorhanden sind oder die Versicherung erst spät abgeschlossen wird. Von daher raten viele bereits am Ende der Schulzeit oder im Studium eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, da hier die Beiträge noch vergleichsweise moderat sind. Zu vertretbaren Konditionen kommt man zudem oft – wie in meinem Fall – über ein berufsständisches Versorgungswerk an einen Police.

    Die Kapitallebensversicherung würde ich so heute nicht mehr abschließen, aber dennoch bespare ich sie weiter. Die Police verfügt über einen Garantiezins von vier Prozent und die Erträge sind nach altem Recht steuerfrei. Zwar sind wir weit von den bei Abschluss im Jahr 1998 in Aussicht gestellten Überschussbeteiligungen weg, aber vier Prozent Garantiezins nach Steuern in Kombination mit BU- und Lebensversicherung sind in der heutigen Zeit ein gutes Geschäft um den risikolosen Teil der Kapitalanlagen abzudecken. Neue Kapitallebensversicherungen ergeben heute keinen Sinn mehr. Wer das Todesfallrisiko absichern möchte, fährt mit einer Risikolebensversicherung wesentlich besser. Als unser Haus noch nicht abgezahlt war, hatten wir für zehn Jahre eine solche Versicherung für meine Frau abgeschlossen, so dass die Hausfinanzierung abgesichert war, falls einem von uns beiden etwas geschieht.

    Das war es, was ich an privaten Versicherungen habe. Alle anderen Risiken sind nicht existenziell und kann ich aus meinen Kapitalanlagen bestreiten. Wichtig ist allerdings, dass Ihr das für Versicherungen gesparte Geld nicht verkonsumiert, sondern investiert und Vermögen aufbaut, damit im Schadensfall auch Geld zur Verfügung steht. Wie gesagt hatte ich seit ich 1993 meinen Führerschein gemacht habe, mit einer Ausnahme unsere Autos nur mit normaler Haftpflichtversicherung versichert. Selbst mit meinen inzwischen 25 schadensfreien Jahren und einer Selbstbeteiligung bei der Vollkasko, beträgt der Unterschied noch über 250 Euro pro Jahr und Auto. Bei 27 Versicherungsjahren (davon 18 Jahre mit zweitem Auto) kommen so locker 11.250 Euro nur für die gesparte Voll- und Teilkasko zusammen. Erträge aus der Kapitalanlage und der Effekt, dass die Versicherung anfangs aufgrund der Schadensfreiheitsklasse teurer ist, sind hier noch gar nicht berücksichtigt. Fairerweise muss man dazu sagen, dass ich zwei Risse in der Frontscheibe (ca. 1.250 Euro in Summe) und mehrere Marderschäden (ca. 700 Euro in Summe) selbst bezahlen musste. Aber genau dafür ist das angesparte Geld auch da, und hier darf man sich dann nicht ärgern.

    Um zu verstehen, warum es lohnenswert ist, Risiken, die man verkraften kann, selbst zu tragen, lohnt ein Blick auf die Kalkulation von Versicherungsprämien.
    Risikoprämie (mathematisch ermittelte Höhe der zu erwartenden Schäden)
    + Betriebskostenzuschlag (Verwaltungskosten)
    – mit den Geldern der Versicherten erzielten Kapitalerträge
    + Gewinnzuschlag
    + Versicherungsssteuer (in den meisten Fällen 19 Prozent, genaue Übersicht hier)
    = Bruttoprämie, die Ihr zahlen müsst.

    Der eigentlich zur Absicherung der Risiken notwendige Betrag ist die Risikoprämie. Die Differenz zwischen Bruttoprämie und Risikoprämie ist es, die Ihr statistisch sparen könnt und mit der Ihr Vermögen bilden könnt. Schauen wir jetzt einmal an, wie hoch das Verhältnis aus Bruttoprämie zu ausgezahlten Schäden in den einzelnen Zweigen der Versicherungswirtschaft ist. Das gibt bereits sehr gute Anhaltspunkte, welche Versicherungen vergleichsweise günstig sind, und wo Ihr unter allen Umständen Risiken selbst tragen solltet:

    VersicherungsspartePrämieneinnahmenAuszahlungen an Versicherte
    Kfz-Versicherung28,6 Milliarden Euro25,0 Milliarden Euro
    Kfz-Teilkasko1,7 Milliarden Euro1,1 Milliarden Euro
    Kfz-Vollkasko10,0 Milliarden Euro8,8 Milliarden Euro
    Sachversicherungen21,5 Milliarden Euro14,1 Milliarden Euro
    Hausratversicherung3,2 Milliarden Euro1,2 Milliarden Euro
    Private Unfallversicherung6,7 Milliarden Euro3,4 Milliarden Euro
    Quelle: GDV, eigenen Berechnungen, Zahlen für 2019

    An dieser Aufstellung kann man eines sehr schön sehen: In Bereichen wie etwa der Kfz-Versicherung, in denen hoher Wettbewerb und hohe Transparenz herrschen (Kfz-Versicherungen sind das Produkt mit dem die Versicherungsvertreter oft das Erstgeschäft machen wollen), sind die Margen der Versicherer sehr gering. In den Bereichen der Sachversicherungen, die meist völlig unnötig sind, verdienen die Versicherungen dagegen richtig dick. Zu den Prämieneinnahmen oben kommt im Übrigen noch die Versicherungssteuer hinzu, so erkennt Ihr recht schnell, in welchen Bereichen es attraktiv ist, das Risiko selbst zu übernehmen.

    Für mich ergeben sich im Bereich der Versicherungen aus meinen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte fünf essentielle Erkenntnisse:

    • Versichert nur das Risiko, bei dessen Eintritt der Schaden Euch existenziell bedrohen könnte – aber versichert das auch!
    • Legt das Geld, das Ihr (künftig) nicht mehr für Versicherungen ausgebt, an (gegebenenfalls auf einem eigenen Konto, damit Ihr seht, wie clever die Entscheidung war).
    • Zahlt die Beiträge jährlich, das ist günstiger
    • Baut Selbstbehalte ein. Damit senkt Ihr Eure Versicherungskosten enorm, ohne die Risiken groß zu erhöhen!
    • Vergleicht online Beitrag und Leistungen.

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