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    Verlustbescheinigung – wer sie braucht – Fehler vermeiden

    In diesen Tagen erhalten viele Depot-Inhaber ein Schreiben mit „Informationen zum Jahresende 2021“, in dem unter anderem die Möglichkeit eines Antrags auf Ausstellung einer Verlustbescheinigung für 2021 genannt wird. Ich erkläre Euch, was eine Verlustbescheinigung ist, für wen die Ausstellung sinnvoll ist und was Ihr anschließend unbedingt machen müsst, wenn Ihr Euch eine Verlustbescheinigung ausstellen lasst.

    Auch wenn das Jahr 2021 im Großen und Ganzen für die meisten Anleger ein sehr erfolgreiches Börsenjahr war, gab es doch gerade in den letzten Wochen einige starke Kurseinbrüche bei einigen Technologieaktien. Zahlreiche Anleger haben die Notbremse gezogen und Verluste realisiert. Nun flattert dieser Tage bei vielen Banken ein Schreiben in die Postbox, dass man einen Antrag auf Ausstellung einer Verlustbescheinigung stellen kann. Wie immer gilt bei steuerlichen Themen: Ich bin kein Steuerberater! Im Zweifel also Euren Steuerberater fragen.

    Was passiert, wenn ich mir eine Verlustbescheinigung ausstellen lasse?

    Falls Du Verluste realisiert hast und in einem der Verlustverrechnungstöpfe einen negativen Saldo hast, dann kannst Du Dir eine Verlustbescheinigung ausstellen lassen. Die Bank bescheinigt Dir dann darin die Verluste und setzt die Töpfe zum Jahresbeginn 2022 wieder auf Null Euro zurück.

    Was passiert mit den Verlusten, wenn ich mir keine Verlustbescheinigung ausstellen lasse?

    Man kann, muss sich aber keine Verlustbescheinigung ausstellen lassen. Wenn Du es nicht machst, dann werden die Verlustverrechnungstöpfe im folgenden Jahr fortgeführt. Nehmen wir an, Du hast Ende 2021 einen Betrag von 500 Euro aus Aktienkursverlusten im Verrechnungstopf, dann wird dieser ins neue Jahr vorgetragen und die ersten 500 € Aktienkursgewinne gehen dann in den Verrechnungstopf, bevor der Sparerfreibetrag verwendet wird.

    Wann ergibt die Ausstellung einer Verlustbescheinigung Sinn?

    Der Hauptzweck einer Verlustbescheinigung ist, Gewinne und Verluste zwischen einzelnen Depots zu verrechnen. Nehmen wir an, Du hast im Depot bei der comdirect bank einen Kursgewinn mit Aktien von 5.000 Euro erzielt und bei Flatex einen Kursverlust von 3.500 €. Dann kannst Du (musst aber nicht) bei Flatex eine Verlustbescheinigung beantragen und beide Salden miteinander verrechnen lassen.

    Wie funktioniert die Verrechnung?

    Die Verrechnung geht nur über die Anlage KAP in der Steuererklärung. Im obigen Beispiel reichst Du die Jahressteuerbescheinigung der comdirect, die die abgeführten Steuern auf die Gewinne bei der comdirect bescheinigt, sowie die Verlustbescheinigung von Flatex zusammen mit Deiner Steuererklärung ein. Das Finanzamt verrechnet nun alles und erstattet Dir die zu viel gezahlten Steuern zurück.

    Was passiert, wenn ich eine Verlustbescheinigung beantrage, aber nicht beim Finanzamt einreiche?

    Das ist eine gefährliche Konstellation! Du musst die Verlustbescheinigung in der Steuererklärung einreichen, für die die Bescheinigung auch ausgestellt worden ist. Die Verlustbescheinigung 2021 muss also mit der Steuererklärung 2021 eingereicht werden. Selbst wenn Du keine oder nicht genügend Gewinne für den vollständigen Ausgleich hast. Das Finanzamt wird dann den Verlust feststellen und vortragen.

    Bis wann muss ich die Verlustbescheinigung beantragen?

    Bei den meisten Banken und Brokern ist die Deadline am 15. Dezember 2021.

    Weitere Fragen zum Thema Börse und Steuern beantworte ich am kommenden Sonntag in meinem Beitrag sowie im Video. Lass doch einen Kommentar hier, falls Du Fragen hast.

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    4 Comments

    1. Danke für die Info. Eine Frage habe ich dazu. Wenn ich bei verschiedenen Banken z.B. bei Diba positiven Saldo im Verrechnungstopf habe und z.B. bei Flatex einen negativen aber wiederum bei Consors einen positiven Verrechnungstopf, kann ich mir aussuchen wo ich die Verlustbescheinigung anfordere. Nach dem Motto, hier ist mein Verlust am größten und den gleiche ich mit den größten Gewinn aus. Oder ist das so, dass ich bei jeder Bank, wenn ich das schon bei einer mache, auch machen muss? Vielen Dank nochmal für die durchaus wertvollen Beiträge!

      • Eine Verlustbescheinigung kannst Du Dir nur bei der Bank ausstellen lassen, bei der Du nach Verrechnung aller Geschäfte (die in einen Topf fallen, dazu am Sonntag mehr) ein negativer Saldo bleibt. Nehmen wir also mal an, Du hast bei der DIBA 2.000 € Gewinne, die versteuert wurden, bei Flatex 1.500 € Verlust und bei Consors 300 € Gewinn. Dann lässt Du bei Flatex die Verlustbescheinigung ausstellen, bei DIBA und Consors nimmst Du die Jahressteuerbescheinigung. Anschließend reichst Du alle drei Bescheinigungen beim Finanzamt zusammen mit deiner Steuererklärung ein. Dann werden die 1.500 € (wenn es die richtige Töpfe sind) mit den Gewinnen verrechnet und Du bekommst auf die 1.500 € die bereits gezahlten Steuern zurück.

    2. Ebenso danke für diesen Beitrag!
      Mein Frage diesbezüglich ist, was ich tun kann, wenn der Anbieter meines Depots KEINE Verlustbescheinigung ausstellt? Degiro z.B. stellt mir nur einen Jahresübersicht zur Verfügung.

      • Vielen Dank für Dein Feedback! Bei Degiro brauchst Du keine Verlustbescheinigung. Denn bei Degiro übernimmt der Broker nicht die Abführung der Steuern. Wenn Du bei Degiro, Captrader, Interactive Brokers, etoro, plus 500 etc. bist, dann musst Du Dich selbst um die Versteuerung der Kapitalerträge kümmern und die Anlage KAP in der Steuererklärung abgeben.

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