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    Die 10 besten Zitate von Warren Buffett erläutert

    Warren Buffett ist der erfolgreichste Investor aller Zeiten. Zeitweise war er sogar der reichste Mensch der Welt. Immer wieder bringt er uns durch perfekt formulierte Aussagen zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Ich habe mir die zehn besten Zitate von Warren Buffett herausgepickt und zeige Euch, was wir als Privatanleger daraus lernen können.

    Zitat #1: „Rule No. 1 is never lose money. Rule No. 2 is never forget Rule No. 1.“
    „Regel Nummer 1: Verliere niemals Geld. Regel Nummer 2: Vergiss niemals Regel Nummer 1.“

    Bereits 1985 hat Buffett in einem Interview ergänzt, wie diese Regel zu verstehen ist: „Wenn Sie Aktien deutlich unter ihrem Wert kaufen und wenn sie eine Gruppe verschiedener Papiere kaufen, dann verlieren Sie niemals Geld“. Daher ist es eben sehr wichtig zu wissen, in welche Firmen man investiert, und deren Geschäftsmodell zu verstehen. Buffett sucht immer wieder nach Firmen mit einem Burggraben und er kauft diese nur dann, wenn die Bewertung attraktiv ist. Das gewährt ihm eine Sicherheitsmarge (Margin of Safety). Wie wichtig diese Regel ist, zeigt auch ein Blick auf eine Tabelle, die eigentlich eher im Trading anzutreffen ist: Um ein Minus von 10 Prozent auszugleichen, benötigt man 11,1 Prozent Gewinn, um aber ein Minus von 50 Prozent auszugleichen, benötigt man 100 Prozent Zuwachs und nach 90 Prozent Verlust sind bereits 900 Prozent Gewinn notwendig.

    Verlustzum Ausgleich benötigter Gewinn
    10 Prozent11,1 Prozent
    20 Prozent25,0 Prozent
    30 Prozent42,9 Prozent
    40 Prozent66,7 Prozent
    50 Prozent100,0 Prozent
    60 Prozent150,0 Prozent
    70 Prozent233,3 Prozent
    80 Prozent400,0 Prozent
    90 Prozent900,0 Prozent
    100 Prozentnicht möglich

    Zitat #2: „Price is what you pay. Value is what you get.“
    „Preis ist das, was Du bezahlst, Wert ist das, was Du bekommst.“

    Damit spricht Warren Buffett die zwei Ebenen an, die viele Investoren gerade am Anfang nicht als solche erkennen: Das, was wir an der Börse sehen, ist der Preis für einen Unternehmensanteil. Dieser schwankt fortlaufend. Der Wert hingegen sind die künftigen Cashflows, die uns dieser Unternehmensanteil beschert und zwar abdiskontiert auf heute. Dieser Wert schwankt viel weniger als es der Börsenkurs vermuten lässt. Nehmen wir beispielsweise an, dass die Firma nicht von der Börse sondern von einem Gutachter im Rahmen eines privaten Verkaufs bewertet werden würde. Dann würden bei gleichen Annahmen innerhalb einer Woche oder eines Monats auch gleiche Bewertungen im Gutachten stehen. Aber wir als Anleger lassen uns oftmals vom Börsenkurs verrückt machen und zu Handlungen hinreisen. Dabei ist es viel wichtiger, den Fokus auf den Wert zu legen und die Kurse zu ignorieren. Sie sollten eigentlich nur beim Kauf und Verkauf zählen.

    Zitat #3: „Uncertainty actually is the friend of the buyer of long-term values.“
    „Unsicherheit ist der Freund von Langfrist-Investoren.“

    Dieses Zitat hat Warren Buffett bereits 1979 in Forbes gesagt. Der Zeitpunkt ist hier besonders interessant, denn 1979 war von einer Reihe von Großereignissen und Katastrophen gekennzeichnet. Da war zum einen die zweite Ölkrise, in Nicaragua und im Iran gab es Revolutionen, im AKW-Harrisburg gab es einen Unfall und sowjetische Truppen marschierten in Afghanistan ein. Und am Ende war es nach fast 15 Jahren Baisse einer der besten Zeitpunkte, Aktien zu kaufen.

    S&P 500 in Punkten, logarithmische Darstellung. Quelle: Makrotrends

    Auch heute höre ich Leute immer wieder sagen: Der Krieg in der Ukraine, die hohen Energiekosten, die Pandemie, die Zinserhöhungen etc., es gibt so viele Gründe, nicht in Aktien zu investieren. Unsicherheit gab es eigentlich zu jedem Zeitpunkt. Im Gegenteil: Meist dann, wenn alles recht sicher und rosig für die Zukunft aussah, genau dann fielen die Kurse an der Börse in der Folgezeit. Diese Ängste, die in der Öffentlichkeit bekannt sind, sind in den Kursen bereits enthalten. Deshalb bedeutet eine hohe Unsicherheit in den Märkten günstige Kaufgelegenheiten.

    Zitat #4: „Stop trying to predict the direction of the stock market, the economy or elections.“
    „Versuchen Sie nicht, die Richtung des Aktienmarktes, der Wirtschaft oder den Ausgang von Wahlen vorherzusagen.“

    Aktuell wird ja sehr viel darüber gerätselt, wie es mit der Wirtschaft, der Inflation und dem Aktienmarkt im allgemeinen (Stichwort Crash-Gurus) weiter geht. Es ist nach Warren Buffett nutzlos, so etwas vorhersagen zu wollen. Volkswirtschaftliche Entwicklungen zu prognostizieren ist nahezu aussichtslos. Die Volkswirtschaftslehre kann viele Zusammenhänge erklären, aber meist erst im nachhinein. Daher gibt es auch den schönen Witz: „Warum gibt es die Volkswirtschaft? Damit eine Wissenschaft noch öfter daneben liegt, als die Meteorologen bei der Wettervorhersage!“.

    Das gleiche gilt für den Aktienmarkt: Indizes sind die Summe der Kursentwicklung vieler Aktien. Es ist schon eine Herkulesaufgabe, die Entwicklung eines Unternehmens gut einzuschätzen. Und selbst wenn das gelingt, bedeutet das noch lange nicht, dass auf kurze oder mittlere Sicht auch die Aktie sich entsprechend entwickelt. Warum sollte es dann einfacher sein, die Entwicklung des Aktienmarktes (kurz- und mittelfristig) vorherzusagen? Fokussieren wir uns daher auf Unternehmen und ignorieren den Rest.

    Zitat #5: „Never invest in a business you cannot understand.“
    „Investiere niemals in ein Geschäft, das Du nicht verstehst.“

    Es ist essentiell zu verstehen, wie die Firmen, deren Aktien wir kaufen, ihr Geld verdienen. In der vergangenen Woche habe ich anhand von LivaNova gezeigt, wie ich mich einem Unternehmen nähere, das ich bisher noch nicht kenne, und was ich mir so alles anschaue. Bei der Analyse des Videos ist mir diesmal etwas aufgefallen:

    Während die Zuschauerbindung normalerweise im Laufe eines Videos kontinuierlich abnimmt (grauer Bereich), gab es in diesem Video zwei Sprünge. Zum einen an der Stelle, wo ich auf den CEO eingegangen bin, zum anderen am Ende. Ganze 8 Prozentpunkte mehr Zuschauer hatte ich als ich darauf eingegangen bin, ob ich die Aktie kaufe oder nicht. Viele hat also weder interessiert, was die Firma macht, noch was ich anschaue, sondern lediglich die Frage: „Kaufen oder nicht kaufen?“ Und genau das ist der sicherste Weg um an der Börse kein Geld zu verdienen: Wer als Investor nicht bereit ist, sich mit den Firmen und deren Geschäft zu beschäftigen, der wird langfristig sich sehr schwer tun, Geld mit Aktien zu verdienen.

    Zitat #6: „The dumbest reason in the world to buy a stock is because it’s going up.“
    „Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt.“

    Dieses Zitat geht in die gleiche Richtung wie Zitat #5: Viele Anleger fokussieren nur auf den Kurs. Steigt er, springen sie nach. Die Bewertungen wird dann oftmals komplett außer Acht gelassen. Wozu das geführt hat, hat man bei vielen Wasserstoff-Aktien, Cannabis-Wertpapieren oder auch bei vielen High-Growth-Aktien gesehen. Anleger hatten FOMO (Fear of Missing Out) und haben gekauft, da die Kurse gestiegen sind, ohne zu schauen, was sie da überhaupt gekauft haben.

    Zitat #7: „It’s far better to buy a wonderful company at a fair price than a fair company at a wonderful price.“
    „Es ist viel besser, ein fantastisches Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen als ein faires Unternehmen zu einem fantastischen Preis.“

    Dieses Zitat zeigt sehr schön, dass Warren Buffett im Laufe der Jahrzehnte seinen Investmentstil angepasst hat. In den Anfangsjahren hat er sich vor allem drauf fokussiert, günstig bewertete Firmen zu finden, sogenannte Zigarettenstummel. Also Gesellschaften, die günstig waren und eine hohe Sicherheitsmarge boten. Später hat er mehr und mehr in Firmen investiert, die einen starken Burggraben und gute Wachstumsperspektiven haben. Oder wie er einmal gesagt hat, Firmen, die auch von einem Idioten geführt werden können.

    Zitat #8: „Time is the friend of the wonderful company, the enemy of the mediocre.“
    Die Zeit ist der Freund von guten Unternehmen und der Feind von mittelmäßigen.

    Dieses Zitat verdeutlicht noch einmal mehr, warum es wichtig ist, in fantastischen Unternehmen zu investieren: Denn selbst, wenn man einmal zu teuer investiert hat, heilt die Zeit alle Wunden. Ein gutes Unternehmen wächst weiter, setzt mehr um, verdient mit der Zeit mehr. Ganz anders ein zyklisches Unternehmen, oder eine Firma ohne Burggraben, mit geringen Margen, hier wird im Laufe der Jahre der Wettbewerb härter, teilweise kann sogar fraglich sein, ob die Firma überhaupt überlebt. Starke Firmen werden zudem auch mit Krisen leichter fertig, als Gesellschaften, die beispielsweise ohnehin eine hohe Verschuldung haben. Von daher sollte der Fokus des Langfrist-Investors darauf liegen, fantastische Firmen zu finden und dann zuzuschlagen, wenn die Bewertung der Aktie passt.

    Zitat #9: „You only learn who has been swimming naked when the tide goes out.”
    „Man sieht erst, wenn die Ebbe kommt, wer die ganze Zeit über ohne Badehose geschwommen ist.“

    Dieses Zitat zeigt, wie großartig Warren Buffett Finanzthemen in eine Bildsprache packen kann, und wie frühzeitig er hier auf die kommende Finanzkrise angespielt hat. Erstmals gefunden habe ich das Zitat im Letter to shareholders for the year 2007. Dort geht der Satz nämlich noch sinngemäß weiter: „und was wir bei einigen unserer größten Finanzunternehmen erleben, ist ein hässlicher Anblick.“ So lange die Märkte am steigen sind, mit Liquidität geflutet werden, schwimmen auch schwache Unternehmen mit auf der Welle nach oben. Aber erst in einer Krise, in einer Baisse, einer Rezession, zeigt sich, wer wirklich solide ist und wer nur geblufft hat. Enron ist 2001 aufgeflogen, Lehman Brothers ging 2008 in der Finanzkrise pleite und Wirecard oder Luckin Coffett nach dem Corona-Crash.

    Zitat #10: „No matter how great the talent or efforts, some things just take time. You can’t produce a baby in one month by getting nine women pregnant.“
    „Unabhängig davon, wie Dein Talent oder Deine Anstrengungen sind, brauchen einige Dinge einfach Zeit. Man kann kein Kind in einem Monat bekommen, indem man neun Frauen schwängert.“

    Man kann manche Entwicklungen nicht beschleunigen, so sehr man es auch möchte. Langfristig entwickeln sich Aktienkurse so, wie es die Unternehmen auch tun, an denen wir über den Kauf der Aktien beteiligt sind. Und dafür müssen diese Unternehmen mehr verkaufen, neue Produktionshallen oder Verkaufsstätten bauen, mehr Mitarbeiter einstellen, etc. Das alles braucht Zeit um zu wachsen und geht nicht über Nacht. So ist es auch mit den Investments: Wir brauchen Geduld. Und viele, die es mit der Brechstange versuchen, in extrem spekulative Aktien (zum Beispiel Pennystocks) investieren oder Hebelprodukte dazu einsetzen, scheitern am Ende beziehungsweise kommen deutlich langsamer ans Ziel als der geduldige Langfrist-Investor.

    Foto von Warren Buffett im Aufmacher: Jiung Ulrich via Wikipedia.

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