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    Xetra-Gold – Euwax Gold II oder lieber physisches Gold?

    Die Inflationsraten steigen. Gold erscheint vielen Anlegern daher als eine sinnvolle Depotbeimischung. Doch immer wieder taucht die Frage auf: Wie investiere ich sinnvoll in das gelbe Edelmetall? Welche Kosten entstehen dabei? Wie ist die steuerliche Behandlung der verschiedenen Gold-Investments? Aktive Anleger sollten dabei vor allem eine Steuerfalle kennen! Denn je nach Anlageziel sind unterschiedliche Produkte vorteilhaft.

    „Nach Golde drängt,
    Am Golde hängt
    Doch alles.
    Ach wir Armen!“
    Das schrieb bereits Johann Wolfgang von Goethe in Faust. Und auch heute noch hat das gelbe Edelmetall viele Freunde. Seine Preisentwicklung läuft oft konträr zu den Aktienmärkten, und so wird es gerne eingesetzt, um die Schwankungen eines Portfolios zu reduzieren. Dennoch gibt es zwei Lager: Die einen, die nur im physischen Gold den wahren Goldbesitz sehen, und die anderen, denen das egal ist und die vor allem kostengünstig investieren möchten. Spannend wird es für Anleger, da die Vielzahl der Anlageformen unterschiedlich steuerlich behandelt wird. Von daher stelle ich heute mal die verschiedenen Varianten gegenüber und erläutere, welche Variante für wen geeignet ist.

    Beginnen wir mit dem Investment in physisches Gold, also Barren oder Münzen. Für viele hartgesottene Anleger ist das die einzig wahre Form des Investments: Krisenvorsorge und im Ernstfall sind hohe Werte mobil verfügbar. Großer Vorteil des physischen Investments: Wertzuwächse sind nach Ablauf eines Jahres in Deutschland für Privatpersonen steuerfrei. Wer innerhalb dieser Spekulationsfrist verkauft, muss den Gewinn mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz versteuern, sofern die Freigrenze von 600 € im Jahr für alle privaten Veräußerungsgeschäfte überschritten wird.

    Wo kann man echte Goldmünzen oder Goldbarren kaufen? Eine gute Vergleichsplattform für Preise ist hier die Seite www.gold.de. Dort findet Ihr für verschiedene Barren und Münzen die jeweils besten An- und Verkaufspreise von Online-Händlern. Wer vor Ort kaufen möchte, der fährt mit den großen Händlern wie Pro Aurum oder Degussa gut. Auch die Mitglieder im Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels e. V. sind seriöse Ansprechpartner. Für den Kauf eignen sich zum einen Barren und zum anderen gängige Münzen wie der Krügerrand oder der Wiener Philharmoniker. Der Spread, also die Differenz zwischen dem besten Ankaufskurs und dem besten Verkaufskurs, ist bei den gängigen Münzen oft unter einem Prozent.

    Eine Münze, die ich vor Jahren sehr gerne gekauft habe, ist der Chinesische Panda und zwar die kleinen Stückelungen mit 1/10 Unze oder 3 Gramm je Münze. Hier sind die Spreads größer, aber in der Vergangenheit haben diese Münzen immer mal einen Sammleraufschlag gebracht. Damit gab es neben dem reinen Goldpreisanstieg noch eine zweite Quelle für Wertzuwachs. Nach unten ist man über den Goldpreis weitgehend abgesichert, da der Aufschlag bei den jüngeren Jahrgängen nur rund 20 Prozent (früher oft auch unter 10 Prozent) beträgt.

    Der große Nachteil der physischen Edelmetalle ist die sichere Lagerung. Hier fallen gegebenenfalls Kosten für Bankschließfach und Versicherung an. Daher haben sich in den vergangenen Jahren mit Xetra-Gold und Euwax Gold II Alternativen entwickelt, die im Depot verwahrt werden können, aber dennoch die Vorzüge von physischem Gold haben. Denn in beiden Fällen besteht die Möglichkeit der physischen Auslieferung, und die hat wiederum das Finanzamt dazu veranlasst, hier die gleichen steuerlichen Regeln anzuwenden. Gewinne mit Xetra-Gold und Euwax Gold II sind nach Ablauf eines Jahres steuerfrei.

    Wo liegen nun die Unterschiede zwischen Xetra-Gold und Euwax Gold II? Schauen wir uns zunächst einmal Euwax Gold II (ISIN DE000EWG2LD7) an. Euwax Gold II wurde von der Tochter der Börse Stuttgart, Boerse Stuttgart Securities GmbH, als ETC (Exchange Traded Commodity) emittiert. Der Preis eines Anteils spiegelt immer den Wert eines Gramms Gold in Euro wider. Der ETC ist zu 100 Prozent mit Gold hinterlegt und Anleger können auch die Einlösung einfordern und zwar ab dem ersten Gramm. Damit die Auslieferung kostenfrei ist, sind 100 ETFs oder ein ganzzahliges Vielfaches davon erforderlich. Das Gold wird sicher in einem Tresor in Deutschland verwahrt und es fallen weder Verwahr-, Verwaltungs- noch Versicherungskosten an. Woran verdient nun die Börse Stuttgart Geld? Ganz klar, am Spread: Dieser schwankt, aber ich habe zuletzt eine Differenz von ca. 0,10 Euro oder rund 0,20 Prozent beobachtet, teilweise lag der Spread sogar noch darunter. Der Handel ist börsentäglich an der Börse Stuttgart zwischen 8 und 22 Uhr möglich. Zuletzt habe ich beobachtet, dass Euwax Gold II mit rund zwei Prozent Aufschlag gegenüber dem Goldpreis gehandelt wird.

    Hinter Xetra Gold (ISIN DE000A0S9GB0) steht mit der Deutsche Boerse Commoditites GmbH eine Tochter der Deutschen Börse. Ähnlich wie bei Euwax Gold II ist eine grammgenaue Auslieferung des Goldes möglich. Ein Pluspunkt von Xetra Gold fällt direkt ins Auge: Der Spread ist mit rund 0,02 bis 0,04 Prozent extrem gering. Auch hier entspricht ein ETC einem Gramm Gold. Anders als bei Euwax Gold II wird bei Xetra Gold allerdings eine Lagergebühr fällig. Diese beträgt 0,025 Prozent pro Monat oder 0,30 Prozent pro Jahr zuzüglich der jeweils gültigen Umsatzsteuer. Diese Gebühren werden von Clearstream monatlich im Rahmen der Depotentgelt-Berechnung in Abzug gebracht. Bei Xetra Gold fallen Kosten für die Auslieferung an, die von der Goldmenge und dem Auslieferungsstandort abhängig sind.

    Vergleicht man nun Xetra Gold mit Euwax Gold II, so stellt man fest, dass Euwax Gold II rund zwei Prozent teurer ist als Xetra Gold. Das ist auf den ersten Blick verwunderlich, da beide Produkte ein Gramm Gold repräsentieren. Die einzige Erklärung, die ich hier habe, liegt in den Verwaltungsgebühren, die bei Euwax Gold II nicht anfallen, sowie darin, dass die Auslieferung kostenfrei ist und gerade kleine Goldbarren ohnehin mit einem kleinen Aufschlag gehandelt werden. Letztendlich möchte wohl keiner der Emittenten, dass das Gold physisch abgerufen wird, vielmehr ist es vor allem wichtig, dem Anleger das Gefühl der Sicherheit und des physischen Goldbesitzes zu geben.

    Welche Variante ist nun die sinnvollste? Es kommt darauf an, wofür man Gold kauft. Wer Gold als letzten Rettungsanker für eine Krise erwerben möchte, für den geht wohl nichts am physischen Gold, das er selbst verwahrt, vorbei. Euwax Gold II und Xetra Gold haben ein Emittentenrisiko – allerdings ist das meiner Ansicht nach weitgehend vernachlässigbar. Was viel schwerer wiegt, ist die Gefahr, dass es in einem Krisenszenario zu einem Goldverbot beziehungsweise zu einem Verbot der Auslieferung des Goldes kommt. Daher bleibt für Anleger, die das Metall für Krisenzeiten kaufen, nur der Weg über physisches Edelmetall.

    Für Investoren, die Gold als Beimischung in ein Depot kaufen wollen, um so die Schwankungen des Gesamtdepots zu senken, und die länger als ein Jahr investiert bleiben wollen, für die eignet sich Euwax Gold II. Gewinne sind nach Ablauf der zwölfmonatigen Spekulationsfrist steuerfrei und es fallen keine Lagerkosten an. Der etwas höhere Spread im Vergleich zu Xetra Gold ist vernachlässigbar.

    Was machen aber aktive Anleger, die für einige Wochen oder Monate auf Bewegungen beim Gold spekulieren möchten? Auf den ersten Blick scheint Xetra Gold aufgrund des niedrigeren Spreads die erste Wahl zu sein. Doch Vorsicht! Hier lauert eine Steuerfalle! Gewinne innerhalb der Spekulationsfrist sind oberhalb einer Freigrenze (wichtig: Freigrenze, nicht Freibetrag. Wird die Grenze auch nur um einen Euro überschritten, sind alle Gewinne steuerpflichtig) von 600 Euro pro Jahr für Privatanleger in Deutschland mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz zu versteuern. Der Broker nimmt keinen Steuerabzug vor. Die Versteuerung erfolgt im Rahmen der privaten Steuererklärung. Und diese Belastung ist im Vergleich zur sonst gültigen Abgeltungssteuer bei den meisten Anlegern deutlich höher.

    Die Lösung? Anleger, die Gold zum kurzfristigen Handeln nutzen möchten, fahren mit klassischen Partizipationszertifikaten besser. Diese unterliegen nämlich nur der Abgeltungssteuer (zzgl. Soli und ggf. Kirchensteuer). Solche Papiere werden beispielsweise von der UniCredit/HypoVereinsbank (ISIN DE000HV1A3C4) oder Goldman Sachs (DE000GS0HH08) angeboten. Hier besteht, wie bei Zertifikaten üblich, ein Emittentenrisiko. Allerdings ist das bei kurzfristigen Anlagen doch sehr überschaubar. Für aktive Anleger ist der Weg über das Zertifikat steuerlich günstiger sowie auch mit deutlich weniger steuerlichem Aufwand verbunden, da die Abgeltungssteuer direkt vom Broker abgeführt wird.

    Bild von flaart auf Pixabay

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