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    Timing beim Investieren in Aktien-ETFs – so geht es!

    Wäre ich doch nur im Tief des Crashes eingestiegen. Hätte ich doch nur 2009 den Mut gehabt zu kaufen. Wer von uns hat nicht schon solche Sätze gehört oder selbst gedacht? Richtiges Timing kann Gold wert sein – aber ist es wirklich so wichtig? Anhand einer kleinen Geschichte möchte ich die Bedeutung von Market Timing etwas näher betrachten. Zum Abschluss gibt es noch eine kleine Ergänzung mit einem Herren, den Ihr alle kennt.

    „Jetzt in Aktien einsteigen!“, „Der Crash kommt, alles verkaufen“, solche und ähnliche Schlagzeilen gibt es zu Hauf. Die Autoren möchten uns dazu bewegen, zum richtigen Zeitpunkt ein- und auszusteigen, um damit unsere Performance zu optimieren. Der amerikanische Blogger Jermey Schneider vom Personal Finance Club hat hierzu vor einiger Zeit eine wunderschöne Geschichte der drei Freundinnen Tiffany, Brittany und Sarah veröffentlicht und mir dankenswerterweise erlaubt, diese Story zu übernehmen. Seine Daten wurden zuletzt am 10. September 2020 aktualisiert, das Bild wäre heute aber das gleiche.

    Die drei Freundinnen haben bereits in jungen Jahren, nämlich 1979, damit begonnen, Monat für Monat 200 US-Dollar fürs Alter zur Seite zu legen. Alle drei haben in einen S&P 500 Indexfonds (ETF) investiert, nie Geld entnommen und Ausschüttungen wieder reinvestiert. Den dreien war klar, dass die Kurse am Markt schwanken können und während ihrer Anlagedauer gab es denn auch fünf Crashs:

    Crashs am amerikanischen Aktienmarkt zwischen 1979 und 2000

    DatumDauer (Tage)Verlust vom TopEreignis
    25.08.1987 – 12.07.198710133,4 %Schwarzer Montag
    16.07.1990 – 11.10.19908719,7 %Kuwait-Krieg
    01.09.2000 – 09.10.200276849,0 %Dotcom-Crash
    12.10.2007 – 09.03.200951456,5 %Finanzkrise
    19.02.2020 – 23.03.20203334,1 %Corona-Crash
    Quelle: https://www.personalfinanceclub.com/
    Quelle: https://www.personalfinanceclub.com/

    Doch wie es im Leben so oft ist, waren die drei sehr unterschiedlich talentiert. Tiffany war schon immer etwas tollpatschig. Sie hatte lange Zeit Angst, das Geld in Aktien zu stecken, und parkte es erst mal als Tagesgeld mit drei Prozent Zinsen pro Jahr. Auf dem Hoch des Marktes, kurz vor dem Schwarzen Montag 1987, war sie überzeugt, dass Aktien eine gute Sache sind, und steckte alles Geld in den Aktienmarkt. Dieses Kunststück, immer am letzten Tag des Bullenmarktes alles angesammelte Geld zu investieren, brachte Tiffany gleich fünf Mal fertig. Dazwischen sammelte sie ihr Erspartes an und bekam dafür 3 Prozent Zinsen. 99.000 US-Dollar hat Tiffany insgesamt investiert. Trotz dieses absolut schlechten Timings verfügte sie im September 2020 über fantastische 773.358 US-Dollar. Wie kann das sein? Auch wenn sie zum Hoch gekauft hat, nach dem Crash hat es zwar einige Jahre gedauert, aber irgendwann gab es wieder neue Rekordstände und Tiffany war investiert. Da sie nie verkauft hat, hat sie an den folgenden Aufschwüngen immer partizipiert.

    Brittany, die zweite im Bunde, hatte schon immer im Leben ein glückliches Händchen. Sie hat alle Tiefststände korrekt vorhergesagt und immer exakt zum Tief das bis dahin angesammelte Geld investiert und dann auf das nächste Tief gewartet. Während der Wartezeit wurde auch ihr Geld mit drei Prozent pro Jahr verzinst. Uns muss allen klar sein, dass Brittany etwas großartiges vollbracht hat, das so wohl keinem Anleger gelungen ist. Selbst Warren Buffett dürfte neidisch auf Brittany sein. Blicken wir nun auf das Ergebnis: Brittany ist Millionärin geworden! Aus ihren 99.000 US-Dollar Einzahlungen wurden stattliche 1.123.573 US-Dollar. Ein klasse Ergebnis. Am Ende hat Brittany rund 45 Prozent mehr als Tiffany. Das ist ein ordentlicher Mehrertrag, aber dafür, dass Brittany die beste Market-Timerin war und Tiffany die schlechteste, ist es doch überraschend wenig.

    Und was hat Sarah, die dritte im Bunde, gemacht? Sie hat einfach stur das Geld direkt Monat für Monat in den Aktienmarkt angelegt. Sie hat erst gar nicht versucht, den Markt zu timen. Aktienkurse, Crashpropheten und Gurus waren ihr völlig egal. Sie hat einfach ihr Ding gemacht. Aus 200 US-Dollar im Monat, die sie samt Ausschüttungen immer wieder in einen ETF auf den S&P 500 angelegt hat, wurden so in 41 Jahren sensationelle 1.620.708 US-Dollar. Sarah ist um Längen vermögender geworden als ihre beiden Freundinnen Tiffany und Brittany. Wie kann das sein? Der Grund ist ganz einfach: Sarah war immer investiert. Viele Tiefs der Crashs lagen deutlich über den Kursen, zu denen Sarah gekauft hat. Am Ende hat sie durch ganz einfaches, langweiliges und kontinuierliches Investieren in 41 Jahren fast eine halbe Million US-Dollar mehr an Vermögen aufgebaut als Brittany, die ein perfektes Händchen beim Marktet Timing hatte.

    Daher gilt: Time in the market beats timing the market. Das bedeutet: Je länger das Geld investiert wird, desto erfolgreicher investiert man.

    Richtig spannend wird es jetzt im zweiten Teil der Geschichte, denn bevor die drei Damen 1979 ins Berufsleben gestartet sind, haben sie noch ein Auslandssemester in Hamburg absolviert. Da haben sie einen Typen kennen gelernt, den alle nur unter seinem Spitznamen kannten: Sparbuch Olaf. Diesen Namen erhielt er in jungen Jahren, als seine Eltern ihn über Finanzen aufklärten, ein Sparbuch in die Hand drückten und sagten: „Olaf, so legt man Geld an. Jeden Monat was drauf packen. Dein Geld ist sicher und später hast Du was“. Wie bei den drei Mädels erhielt Olaf all die Jahre drei Prozent Zinsen (Anmerkung: Bereits ab 1985 lagen die Sparbuchzinsen im Schnitt immer unter drei Prozent, die Rechnung ist also noch sehr wohlwollend). Aus 99.000 Euro an Einzahlungen wurden so im Laufe von etwas mehr als 41 Jahren 195.333 Euro.

    Während die drei rüstigen Damen Dank ihrer auskömmlichen Ersparnisse ihren Vorruhestand in Palm Beach verbringen, denken sie an ihre Bekanntschaft aus Studentenzeiten. „Erinnert Ihr Euch noch an Sparbuch-Olaf?“ fragt Tiffany. „Was wohl aus ihm geworden ist?“ Die schlaue Brittany weiß es: „Der bewirbt sich gerade noch mal für einen Job beim Staat“. „Armer Olaf“, entfährt es Sarah.

    Was lernen wir daraus: Traut Euch zu investieren und investiert regelmäßig. Und wenn Ihr in 30 oder 40 Jahren mal an diese Geschichte zurückdenkt, werdet Ihr sehen, dass es eine sinnvolle Entscheidung war.

    Quelle für die Emoji: www.openmoji.org – gestaltet von Johanna Wellnitz, Liz Bravo und Rifat Erdogan (2 x)

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    3 Comments

    1. Genial. Wird gleich gespeichert und beim nächsten Mal hervorgeholt, wenn bei der monatlichen Sparrate wieder gezögert wird, diese auch zu investieren … 😉

      • Danke fürs Feedback! Genau so ist es! Sich – gerade wenn es mal schwieriger wird – immer wieder das große Ziel und die großen Zusammenhänge vor Augen halten und sich am Ende darüber freuen, wenn man im Boom dafür belohnt wird.

        • Ich hab am 30.8. – also nach dem Kommentar – gleich den Worten Taten folgen lassen und den angesammelten Cashbestand in meinen AllWorld ETF investiert. Es war herrlich befreiend, einfach Kaufen klicken und gut statt wochenlang auf den richtigen Kurs zu warten. Danke für den Anstoss 🙂

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