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    Japanische Aktien: Quellensteuer, Spread, Round Lots

    Japan ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, doch in den Depots vieler Privatanleger spielen japanische Aktien keine Rolle. Dafür kauft die japanische Notenbank umso eifriger Aktien aus Nippon. Ich erkläre Euch, wie und wo Ihr japanische Aktien mit geringem Spread und geringen Gebühren handeln könnt, wann man japanische Aktien am besten kauft, was ein Round Lot ist und welche Quellensteuer bei japanischen Aktien anfällt.

    Wenn die Sprache auf japanische Aktien kommt, winken viele Anleger ab. Seit rund drei Jahrzehnten war mit japanischen Aktien in der Breite kein Blumentopf zu gewinnen. Der Nikkei 225 steht noch immer unter seinem Stand von 1990, die gesamte Marktkapitalisierung japanischer Aktien liegt nur wenig über dem Niveau von damals. Japan erlebt einen progressiven Bevölkerungsrückgang wie es ihn in Friedenszeiten und ohne Hungersnöte noch nie gab. Dennoch ist Japan die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und japanische Aktien sind im MSCI World mit rund 7,5 Prozent gewichtet.

    Börsenwert der an der Tokio Stock Exchange (TSE) notierten Gesellschaften. Quelle: https://www.ceicdata.com/en/japan/tokyo-stock-exchange-market-capitalization/tse-market-capitalization-all-shares

    Interessant auch: Während im Westen die Notenbanken nur Anleihen im Rahmen des Quantitative Easing kaufen, erwirbt die japanische Notenbank auch Aktien. Pro Jahr investiert die Bank of Japan (BoJ) über börsengehandelte Indexfonds (ETFs) bis zu 12 Billionen Yen, das entspricht rund 92 Milliarden Euro. Der gesamte japanische Aktienmarkt hat eine Marktkapitalisierung von rund 5,6 Billionen Euro. Zum Vergleich das ist lediglich so viel wie Apple, Microsoft und Amazon zusammen! Dem gegenüber steht ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 4,3 Billionen Euro.

    In der Vergangenheit hat es sich für langfristig agierende Anleger oftmals ausgezahlt, dann genauer hinzusehen, wenn dies kaum jemand tut. Von daher möchte ich nachfolgend einige grundlegende Fragen zu japanischen Aktien beantworten, so dass Ihr für Euer Abenteuer am Kabutochō gerüstet seit. Kabutochō, so wird die japanische Börse auch bezeichnet, da sie im Stadtteil Kabutochō im Tokioter Bezirk Chūō liegt.

    Wann ist der beste Zeitpunkt, japanische Aktien zu kaufen?

    An der japanischen Börse wird täglich in zwei Sitzungen gehandelt. Die Börse öffnet um 9:00 Uhr Ortszeit. Von 11:30 bis 12:30 Uhr gibt es eine Stunde Mittagszeit und dann öffnet sie am Nachmittag noch einmal bis 15:00 Uhr. Grundsätzlich sollte man internationale Aktien ja handeln, wenn die Heimatbörse offen hat, da dann der Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, am geringsten ist. Da Japan keine Sommerzeit kennt, bedeutet es für uns deutsche Anleger, dass die Börse im Sommer von 2:00 bis 4:30 Uhr und 5:30 bis 8:00 Uhr offen hat. Im Winter entsprechend eine Stunde früher, von 1:00 bis 3:30 Uhr und von 4:30 bis 7:00 Uhr.

    Für heimische Anleger bedeutet das: Die klassischen Börsen haben keine Überschneidung mit dem japanischen Aktienmarkt. Aber es gibt eine Lücke: Die LS Exchange und auch Lang & Schwarz im außerbörslichen Handel beginnen bereits um 7:30 Uhr mit dem Handel. Damit haben wir hier also von 7:30 bis 8:00 Uhr 30 Minuten Überschneidung mit Japan. In dieser Zeit kennt der Makler die Referenzkurse in Tokio und bietet entsprechend niedrigere Spreads an. Das sieht man hier an einem Beispiel:

    Quelle: comdirect.de

    Vor 8:00 Uhr stellt Lang & Schwarz bei Itochu einen wesentlich engeren Spread als im Laufe des Tages. Checkt also ab, ob Ihr über Lang & Schwarz oder die LS Exchange handeln könnt. Wenn ja, ist es auf jeden Fall ratsam, zwischen 7:30 und 8:00 Uhr zu handeln.

    Die Alternative: Direkt in Tokio ordern. Und das ist gar nicht so teuer, zumindest bei comdirect habe ich damit gute Erfahrungen gemacht. Der Devisen-Kursschnitt – also die Kosten für den Tausch von Euro in Yen – ist bei der comdirect recht human und die Mindestgebühr ist nur 3,00 Euro höher als bei einer Inlandsorder. Nachfolgend die Kosten für eine Order bei der comdirect bei drei unterschiedlichen Invesitionsbeträgen:

    Investment100 Stück á 2.600 Yen500 Stück á 2.600 Yen1.000 Stück á 2.600 Yen
    Gegenwert in Euro2.000 €10.000 €20.000 €
    Börsenspesen3,46 €3,46 €6,00 €
    Lieferspesen4,61 €4,61 €4,61 €
    Devisen-Kursschnitt3,21 €16,14 €32,31 €
    Order-Provision12,90 €32,89 €57,88 €
    Gesamtprovision24,18 €57,10 €100,80 €
    Gesamtprovision1,21 %0,57 %0,50 %
    Quelle: comdirect.de

    Ob der Weg über die deutsche Börse oder die Börse Tokio günstiger ist, hängt vom eigenen Broker sowie auch vom Wert selbst ab. Die oben gewählte Itochu wird in Deutschland inzwischen recht liquide gehandelt. Andere Werte wie Nippon Sanso werden weitaus weniger liquide gehandelt und haben hier zu unseren Kernhandelszeiten Spreads von 2,5 bis 3 Prozent. Da lohnt eine Order direkt in Tokio.

    Round Lot – eine Besonderheit japanischer Aktien

    Eine Eigenheit der japanischen Börse sollten Anleger kennen: An der Börse Tokio können Aktien nicht in beliebiger Stückzahl gehandelt werden, sondern nur in Trading Units, auch Round Lots genannt. Das bedeutet, Aktien werden in Blöcken zu je 100 Stücken gehandelt, einzige Ausnahme: Mitsui Home Co. Bei ihr sind 1.000 Stück pro Order notwendig. Aufträge, bei denen die Stückzahl nicht durch 100 teilbar ist, müsst Ihr also über eine deutsche Börse abwickeln. Kurse von der Tokio Stock Exchange in Yen bekommt Ihr am einfachsten über Investing.com. Viele deutsche Broker haben in ihrem Kursangebot Tokio leider nicht mit dabei.

    Welche Quellensteuer wird bei japanischen Aktien fällig?

    Eine zentrale Frage bei Investments im Ausland, gerade bei dividendenstarken Aktien, ist die Frage nach der Quellensteuer. Bei japanischen Aktien fällt eine Quellensteuer von 15,315 Prozent an. 15 Prozent hiervon sind auf die deutsche Quellensteuer anrechenbar. Die übrigen 0,315 Prozent kann man zwar meines Wissens nach zurückholen, aber darauf können wir angesichts des geringen Wertes und des damit verbundenen Aufwands getrost verzichten. Wichtig: Die Quellensteuer wird nur auf Dividenden erhoben. Kursgewinne – egal ob die Aktie in Tokio oder an einer deutschen Börse gekauft wird – werden nur mit der deutschen Kapitalertragssteuer versteuert.

    DeutschlandJapan
    Bruttodividende100,000 €100,000 €
    Quellensteuer Japan– 15,315 €
    Kapitalertragssteuer 25 %– 25,000 €– 25,000 €
    Anrechenbare Quellensteuer Japan+15,000 €
    Solidaritätszuschlag 5,5 % auf Kapitalertragssteuer– 1,375 €– 0,550 €
    Nettodividende73,625 €74,135 €
    Eigene Berechnungen, Annahme: Sparerpauschbetrag ausgeschöpft, deutscher Staatsbürger, keine Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft, keine Steuerberatung, im Zweifel immer einen Steuerberater fragen!

    Die Dividende wird bei japanischen Firmen im Übrigen zweimal im Jahr gezahlt: Per Ex-Tag 30. September gibt es eine Zwischendividende und zum Ende des Geschäftsjahres, das ist in Japan am 31. März, gibt es dann eine Abschlusszahlung. Der Zahltag ist in der Regel gut zwei bis drei Monate später, so dass meist im Juni und im Dezember Geld aufs Konto kommt.

    Nun seid Ihr mit allen wesentlichen Informationen ausgestattet, um in Japan zu investieren. Ich selbst bin bisher mit zwei Werten in Japan investiert: Im Sommer 2020 habe ich begonnen, eine Position in Itochu aufzubauen, und vergangene Woche habe ich eine erste Position in Nippon Sanso erworben. Zu Itochu, bei der auch Berkshire Heathaway von Warren Buffett investiert ist, hat Kolja Barhoorn von Aktien mit Kopf diese Woche ein interessantes Video veröffentlicht. Nippon Sanso hat Jonathan Neuscheler auf seinem Blog Abilitato bis ins Detail unter die Lupe genommen. Beide Werte haben über die letzten beiden großen Konjunkturzyklen hinweg den japanischen Gesamtmarkt outperformt und ihren Aktionären Mehrwert gebracht, daher sind sie bei mir im Langfristdepot gelandet.

    Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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