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    3 Regeln, die Einsteiger an der Börse aktuell beachten sollten!

    Laut einer für Finance FWD durchgeführten Umfrage, haben 2020 mindestens vier Millionen Anleger erstmals Aktien, Fonds oder ETFs gekauft. Damit wäre die Zahl der Anleger höher als im Jahr 2000 auf dem Gipfel der New Economy. Ich zeige Euch heute, welchen elementaren Fehler viele Neueinsteiger machen, und was diese tun können, damit sich das Debakel der New Economy nicht wiederholt.

    Beginnen möchte ich mit einer kleinen Geschichte: Jochen nimmt sich auf dem Nachhauseweg im Geschäft noch eine Fischkonserve für einen Euro mit. Als er auf dem Weg Steffen trifft, sieht dieser nach etwas Smalltalk die Fischkonserve, bekommt Lust auf Fisch und bietet Jochen 3 Euro für die Konserve, da er zu faul ist, in den Supermarkt zu gehen. Dieser willigt ein und freut sich über den kleinen Gewinn. Gut gelaunt setzt er einen Tweet ab, dass er gerade 200 Prozent Gewinn mit Fischkonserven gemacht hat. Lars ist einer dieser Freunde, der die Nachricht ließt, und kurze Zeit später wittert er seine Chance: Er sieht Steffen mit einer Fischkonserve in der Hand. „Hallo Steffen, was soll die Fischkonserve kosten?“ – Steffen ist erst etwas verwundert über die Frage, aber sagt dann schlagfertig „5 Euro“. Lars willigt ein und antwortet auf Twitter: „Bin nun auch in Fisch investiert.“ Langsam verbreitet sich das Gerücht, dass Fisch ein gutes Investment ist, und so bietet Bernd seinem Freund Lars schließlich 10 Euro für die Fischkonserve. Zu Hause angekommen stellt Bernd fest, dass der Kühlschrank leer ist. Da die Läden nun zu haben, entschließt er sich die Konserve zu öffnen und den Fisch zu essen. Ich erzähle Euch diese Geschichte, da wir in der aktuellen Börsensituation sehr viel daraus lernen können.

    Aktuell agieren viele an der Börse wie in dieser Geschichte: Sie kaufen Aktien oder andere Finanzprodukte (Pennystocks, Aktien, Kryptos), weil diese gestiegen sind. Viele folgern daraus, dass das, worin sie investiert haben, gut sein muss, weil es ja steigt. Und so entwickeln sich gerade in vielen Ecken Spekulationsblasen. Die Gier der Masse zieht dann weitere Anleger an. Schön zu sehen an den Download-Zahlen der Robinhood-App in den USA:

    Quelle: https://www.cnbc.com/2021/02/01/robinhood-appears-to-be-benefitting-from-the-trading-controversy-seeing-record-app-downloads.html

    Und auch das Umsatzvolumen in Pennystocks ist regelrecht explodiert:

    Quelle: https://mobile.twitter.com/sentimentrader/status/1359958059976716288/photo/1

    Warren Buffett hat es mal schön formuliert: „Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt.“ Aber genau das tun im Moment viele Anleger und treiben damit Preise in irrationale Höhen. Durch die erzielten Gewinne erfolgt eine trendverstärkende Rückbestätigung. Viele Anleger, die erst sehr kurz an der Börse aktiv sind und 100 Prozent und mehr erzielt haben, erklären erfahrene Investoren für altbacken und nicht auf der Höhe der Zeit, wenn diese sagen, dass 7 – 8 Prozent Rendite pro Jahr bereits ein guter und realistischer langfristiger Ertrag ist. Das letzte Mal, dass in der breiten Masse so gedacht und gespottet wurde, war 1999/2000. Auch damals wurde Warren Buffett als alter, seniler Mann dargestellt.

    Die Geschichte mit der Fischkonserve lehrt uns noch etwas anderes, den Unterschied zwischen Preis und Wert. In der Geschichte: Der Preis für die Konserve variierte: Von 1 über 3, 5 bis hin zu 10 Euro. Aber der Wert war immer der gleiche: Eine mit Fisch gefüllte Konserve. Und um das besser zu verstehen, müssen wir uns vor Augen halten, was wir an der Börse tun: Wir zahlen einen Preis (Aktienkurs), um einen Wert (Anteil am Unternehmen) zu bekommen. Der Preis schwankt teilweise sehr heftig, der Wert hingegen viel moderater. Und gerade bei Aktien, die in wenigen Wochen um 500 oder gar 1.000 Prozent gestiegen sind und für die immer noch höhere Kursziele ausgerufen werden, sollten sich Anleger mal fragen, ob der zu Grunde liegende Wert in dieser Zeit um den gleichen Faktor gestiegen ist, oder ob es wie in unserer Geschichte mit der Fischkonserve lief?

    Und eine Methode, wie man diesen Wert besser bestimmen kann, ist der Cashflow. In den kommenden beiden Videos werde ich mit Jonathan Neuscheler näher darauf eingehen, was der Cashflow ist, welche Arten es gibt und wie er sich auf die Unternehmensbewertung auswirkt. Das ist dann ein erster Schritt den Wert zu ermitteln um zu sehen, ob dieser mit dem Preis auch in Einklang zu bringen ist.

    Die im Beispiel verwendete Fischkonserve ist etwas provokativ gewählt. Denn der Fisch in der Konserve ist ein totes Gut, das nicht mehr wächst. In der Praxis gibt es zwar auch solche Firmen, aber eigentlich kommt ein Huhn der Realität viel näher: Es legt Eier und ab und zu schlüpft daraus auch ein Küken. Und dann gibt es fleißige Hühner und solche, die irgendwann mal keine Eier mehr legen. Daher ist es wichtig, an der Börse Fische von Hühnern zu unterscheiden und dann auch noch die Hühner zu finden, die fleißig sind.

    Da gerade vielen Börseneinsteiger sich aktuell sehr schwer tun zu erkennen, was gute Investments sind und was nur Fischkonserven sind, nachfolgend drei Anhaltspunkte, die ich jedem Neueinsteiger ans Herz lege, damit er solide mit dem Investieren startet:

    1. Anfangs kein Investment, das weniger als 5 Milliarden Euro Marktkapitalisierung hat

    Warum diese Grenze? Mir ist in den letzten Monaten verstärkt aufgefallen, dass viele Neueinsteiger in Pennystocks aktiv sind. Und dort handeln sie wahrlich mit Fischkonserven, auch wenn ihnen einige Newsletter und Pusher im Internet anderes vormachen wollen. Noch viel schlimmer ist Pump and Dump – die ersten Runden an der Preisspirale drehen die Organisatoren im kleinen Kreis. Erst, wenn es in schwindelerregende Höhen geht, darf das breite Publikum – mit tollen Stories angelockt – einsteigen und dann kommt der Absturz. Aber da sind die Initiatoren meist schon längst raus. Daher: Fangt mit Werten über 5 Milliarden Euro Marktkapitalisierung an und lasst Euch nicht von Pennystocks locken – so verführerisch die Story auch scheint.

    2. Beschäftige Dich mit dem Unternehmen

    Sei Dir bewusst, dass Du, wenn Du eine Aktie kaufst – und sei es auch nur eine – einen Anteil am Unternehmen erwirbst. Beschäftige Dich daher weniger mit dem Kurs, sondern mehr mit dem, was das Unternehmen produziert, was es verdient, welche Trends es in der Branche gibt und so weiter.

    3. Meide Branchen-ETFs

    Exchange Trades Funds (ETFs), also börsengehandelte Indexfonds sind sehr interessant, wenn dem die richtigen Indizes zu Grunde liegen. Börsenneulinge sollten daher nur auf globale ETFs (ggf. auch Emerging Markets oder Asien, wenn damit dieser Teil des Portfolios abgedeckt wird und der Rest der Welt durch andere Investments abgedeckt wird) setzen. Gerade in den letzten Monaten habe ich verstärkt festgestellt, dass viele Anleger in Branchen-ETFs zu Hype- und Modethemen investieren. Das Ganze hat in den vergangenen Wochen solche Auswüchse angenommen, dass es nunmehr ETFs gibt, die aus nichts als einer Ansammlung von Fischkonserven bestehen. Eine Ansammlung von 20 verschiedenen Fischkonserven ist keine gesunde Ernährung!

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